Spillendorf
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Spillendorf

D

ie Lage des Dorfes

Die Gemeinde Spillendorf ist heute, wie auch damals ein Reihendorf  von ungefähr 2 km Länge. Ein Reihendorf ist die Siedlungsform eines Dorfes. Es setzt ein langgestrecktes topografisches Objekt, eine Straße oder Weg, ein Tal oder Höhenrücken, ein Bach oder Graben voraus, an dem bäuerliche Siedlungsplätze (d.h. Höfe oder Hofstellen) in mehr oder minder regelmäßigen Abständen aneinander gereiht sind. Meist sind sie dadurch gekennzeichnet, dass (sofern die örtlichen Gegebenheiten und Geländebedingungen es ermöglichen) jeweils am Anfang und am Ende noch weitere Hofstellen angelegt werden können.

Spillendorf wurde „einreihig“ angelegt. Die Anordnung des Ackerlandes hinter den Höfen hatte den Vorteil der Zeiteinsparung und der Verringerung des Transportaufwandes, da direkt aus dem Hof „heraus“ bzw. „hinein gewirtschaftet“ werden konnte. Außerdem hatte man eine bessere Kontrolle über sein Anwesen, da es die Anwesenheit des Bauern auf seinem Gelände gewährleistete.

Der Ort liegt in 550 m Seehöhe und am 50. Breitengrad, welcher bei der Kirche den Ort durchschneidet. Das Flächenausmaß des Ortsgebietes betrug 517 ha. Einige Landwirte besaßen zusätzlich ca. 120 ha Grund im Freudenthaler Gebiet, in Milkendorf ca. 2 ha und in Neu - Erbersdorf ca. 2 ha.  Im Norden grenzten die Spillendorfer Felder an den hochmeisterischen Wald „Thiergarten“, im Westen an Freudenthaler Gebiet, im Süden an Wockendorf und im Osten an Milkendorf und Neu - Erbersdorf. Die nördlichste Seite des Ortsgebietes hieß Ober- und Untergrünberg. Diese hat wellenförmiges Terrain. Der Boden war sandig mit steinigem Untergrund und  teilweise lehmig. 500 m hinter den Häusern führte ein Weg quer über die Felder. Dieser wurde der „Straßenweg“ genannt, weil er quer der Bezirksstraße durch den Ort gebaut wurde und der Verbindungsweg nach Freudenthal war. Hinter diesem Weg senkte sich der Boden in ein Tal. Die Tilg der Talsohle hieß „Der Erlengrund“. An der südlichen Seite wurde der obere Teil „Schwarzflussberg“, der untere „Kohlhau“ und an der Wockendorfer Grenze „Der Steinberg“ genannt. Im Unterorte (oberhalb der Bahnstrecke) befand sich eine bewaldete Bergkuppe und hieß im Volksmund „Der Wallbuch“. Nach alten Überlieferungen soll im Schwedenkrieg diese Bergkuppe besetzt gewesen sein, um nach dem Feinde Ausschau zu halten.

An der Wockendorfer und Milkendorfer Grenze waren 12 kleinere Felder, welche Spillendorfer außer Ihrem Haus erben konnten. Dies waren die sogenannten „Zustücke“.

Die Felder im Oberort (von der Kirche angefangen) stiegen gleich hinter den Häusern steil an, gingen dann in eine sanft geneigte Ebene über – „Die Gleiche“. Die hinteren Felder hießen „An der Grenze“. Im Unterort stiegen die Felder ebenfalls sehr steil an, fielen dann aber gleich wieder in ein Tal ab – „Der Kohlhau“. Der Boden war durchwegs sandig und schifferartig.

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ur Geschichte

Die ersten Einwohner der Gegend Freudenthal – Jägerndorf, so wie deren Ansiedlungen an der alten Heerstraße Sternberg, Freudenthal und Jägerndorf wurden von den Mongolen und Heiden im Jahre 1220 schwer heimgesucht. Die wenigen Überlebenden kamen nach dem Abzug dieser rohen Horden aus den Verstecken hervor und die Grundherren versuchten nun, die entstandenen großen Lücken in der Bevölkerung durch Heranziehung neuer Ansiedler zu ergänzen.

Im Jahre 1265 berief Bischof Bruno von Olmütz viele Ansiedler aus Bayern und Sachsen in die Freudenthaler Gegend. Sie wurden beauftragt den dichten Urwald zu schlagen und den Boden urbar zu machen. Der Lukator (Gründer eines Dorfes) erhielt eine „Freihube“ und erbaute ein größeres Gebäude, welches „Erbgericht“ genannt wurde. Er zog neue Ansiedler heran. Diese bekamen Grund von ihm zugewiesen. Das neu gerodete Land wurde in „Huben“ eingeteilt. Eine Hube hatte 70 Metzen, 2 Huben nannte man „eine Lahn“. Die einzelnen geraden Ackerflächen wurden dann meistens der Länge nach miteinander verbunden und „Erb“ genannt. Diese Bodenzuteilung nannte man „Fränkisches Waldhufensystem“ und nach ihm wurde auch das Dorf Spillendorf, um das Jahr 1260, als lang gestrecktes Reihendorf an der uralten Heerstraße Freudenthal - Jägerndorf angelegt.

Der Lukator hieß wahrscheinlich „Spiller“ und die neu gegründete Ortschaft wurde nach ihm benannt. Der Gründer des Dorfes war ein deutscher Mann. Dieses bezeugt die  altdeutsche Siedlungsanlage des Dorfes und die durchwegs deutschen Flurnamen im Ortsgebiet. Die uralten Namen sind - so oft sie auch wechselten, Geschlechter der Menschen, welche an diesem jeweiligen Ort lebten, immer unverändert geblieben und sind auch als älteste Zeugnisse deutscher Gründertätigkeit geblieben.

Da immer mehr neue Ansiedler ankamen wurden nun auch 1/8 Huben verausgabt. Man unterschied dann Ganz-, Dreiviertel-, Halb- und 1/4 „Hubner – Bauern“. Die Achtel Hubner wurden „Gärtler“ genannt. Der Erbrichter erhielt von der Gutsobrigkeit wichtige Vorrechte und Privilegien ausgestellt. Zum Erbgericht gehörten gewöhnlich 2 Huben Acker, ein Gasthaus, eine Mühle, Bäckerei und Fleischerei.

Spillendorf 2006 344.jpgEhemaliges Schulgebäude von Spillendorf, jetzt Kindergarten und Bürgermeisteramt

Kopie (2) von Spillendorf 007.jpgSpillendorfer Kirche

Daniela Seidel

Ortsbetreuerin von Spillendorf

2009

 


zwei Spillendorfer Siegel