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Gedenkbuch 1945-1947
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GedenkbuchderGemeindeAlt-Vogelseifen
Teil II:
Deutsche Übersetzung für die Zeit von
1945 – 1947
( die handschriftliche tschechische Ortschronik wurde fortgeführt in der Zeit von 1945 – ca. 1955 )
Eichenau im August
2004
1945
Der westliche Teil von Schlesien ist vom Hauch des alten Deutschtums, welches hier schon in der Kolonialzeit der Premysliden Wurzeln schlug, durchdrungen. Es ist eine schöne Ecke unserer Heimat und verführt diejenigen, die sich gerne an den Schönheiten unserer Heimat ergötzen, zum Besuch. Die Deutschen bewachten aber neidisch die Naturschönheiten dieser Gegend und gaben sich viel Mühe, tschechische Elemente von diesen Plätzen fernzuhalten und so blieb der deutsche Charakter der Landschaft bis 1945 erhalten, als die tschechischen Einwohner den Aufruf ihrer Regierung folgend begannen, diese Gegend zu besiedeln. Heute ertönt hier die tschechische Sprache, es werden in dieser Gegend unseres Staates neue Generationen des tschechischen Volkes heranwachsen, treu dem staatlichen Gedanken und wirkliche Wächter der Grenze, und ich glaube fest, dass dieses Volk , das während des Krieges durch die Deutschen so viel erlitten hat, hier für immer bleiben wird, sich nicht wieder durch solche Vorkommnisse bedrohen und überraschen lässt und immer auf der Seite des Rechts und der Gerechtigkeit stehen wird.
Starý Vogelzejf (Alt-Vogelseifen) – Geschichte
Der Ort Starý Vogelzejf liegt in unmittelbarer Nähe des Fußes des Altvater-Gebirges, südöstlich von Altvater, auf einer Meereshöhe von ca. 640 m. Nach der Volkszählung im Jahr 1930 hatte der Ort insgesamt 632 Einwohner, von denen 2 Reisende slowakischer Nationalität waren und 630 Einwohner deutscher Nationalität. Daraus ist zu ersehen, dass die hiesige Einwohnerschaft sorgfältig darauf achtete, dass kein tschechisches Element in den Ort vordrang. Der Ort selbst wurde 1160 gegründet und erst ab 1377 bildete er einen Teil des Velehrady-Besitzes. Seit diesem Jahr gehört er zur Krnov-Herrschaft. (Krnov: Jägerndorf) 1445 verkaufte Herzog Arnošt (Ernst) die gesamte Freudenthal-Herrschaft und mit dieser auch den Ort Starý Vogelzejf an Herrn Jan z Vrbna (Johann von Würbenthal). Der Würbenthaler Adel hielt den Ort bis zur Schlacht am Weißen Berg. Sein damaliger Nachkomme – Jindřich z Vrbna (Heinrich von Würbenthal), als Führer schlesischer Protestanten, wurde gezwungen, seine Heimat zu verlassen, und der Kaiser Ferdinand II. beschlagnahmte den ganzen Besitz und verkaufte ihn 1621 an den Orden Deutscher Ritter. Dieser Orden errichtete im Ort eine Pfarrei, stattete sie mit verschiedenen Stiftungen und dem Recht auf Überwachung der Einwohner aus, welche auf diese Art noch mehr in der antitschechischen Denkweise befestigt und bekräftigt wurden. Die ursprüngliche Arbeit der Einwohner war Silberwäsche und Silbererzbergbau, der sich in dem Kataster befand. Noch heute können wir um den Černý potok (wörtlich: Schwarzbach) Sand- und Kieshaufen sehen, die von der damaligen Tätigkeit der Bergleute und Silbergräber übrig geblieben sind. Auch verschüttete Stollen und Schächte sprechen für das rege Bergbauleben im Ort. Als sich der Bergbau nach einiger Zeit nicht mehr rentierte, holzten die hiesigen Ortinsassen Wälder, die bisher unberührt standen, ab und begannen, sich mit der Landwirtschaft zu beschäftigen. Erfolglos blieben die Versuche der Ortbesitzer um die Wiedererrichtung und Erneuerung des Silbererzbergbaus. Die Erde gab ihre Schätze nicht mehr preis. Während der Dreißigjährigen und napoleonischen Kriegen, sowie im Krieg vom 1866 litt der Ort beträchtlich, weil er am Weg aus Mähren über Andělská Hora (Engelsberg) weiter nach Norden nach Schlesien lag, und die Einwohnerschaft versteckte sich oft mit ihrem Besitz in den tiefen umliegenden Wäldern. Im Jahr 1822, am 25. November, entstand in der Hausnummer 4 ein Feuer, das sich, durch den großen Wind unterstützt, stark verbreitete und einen beträchtlichen Teil des Ortes verwüstete. Durch dieses Feuer wurden die Häuser und Bauerngüter Nr. 4,3, 2, 1, die Kirche, weiter die Hausnummern 83, 100, 82, 81, 80, 78, 77, 76, 75, und letztlich die Pfarrhausscheune sowie die Nr. 88, 87, 39, 40, 41, 42 und 97 zerstört. Das Feuer wurde durch den starken Westwind, der oft eine erhebliche Kraft erreicht, und durch den Mangel an Wasser begünstigt. Aus der ganzen Umgebung wie aus Andělská Hora, Suchý Zejf (wörtlich Trocken-Seifen d.h. ist wohl Dürrseifen) und auch aus Freudenthal eilten Menschen, um zu helfen. Die Schäden wurden auf 96.663 Gulden geschätzt. Nach dem Weltkrieg 1918 begann der Ort, landwirtschaftlich ziemlich fortgeschritten und entwickelt, zu Wohlstand zu kommen. Auch die rationelle Viehzucht und Nahrungsindustrie trug den hiesigen Bauern schöne Gewinne ein. Aber die Bewohner des Ortes, sowie der Orte des gesamten Bezirkes Freudenthal machten sich in der Zeit der größten Bedrohung der Republik einen traurigen Namen und stellten sich voll an die Seite der Feinde der Tschechoslowakischen Republik.
S. 53 oben:
Das tschechische Element musste nach der Okkupation des Sudetenlandes seinen bisherigen Wirkungskreis bis auf sehr geringe Ausnahmen verlassen und wer blieb, wurde bei jedem Schritt beobachtet und in seiner gesamten Tätigkeit behindert. Wie die Tendenz in der Denkweise der Einwohner deutscher Abstammung im Bezirk Freudenthal war, beweist die Tatsache, dass A. Hitler, in Begleitung von H. Göring, nach dem Erhalt vom Sudetenland, Freudenthal als erstes in ganz Schlesien besuchte, um die treuen Deutschen aus dem Bezirk Freudenthal für die erwiesenen Dienste bei der Zerstörung der Tschechoslowakischen Republik durch seine Anwesenheit zu belohnen. Es ist von Nutzen, daran zu erinnern, dass alle Deutschen aus diesem Ort Mitglieder der SDP und später der NSDAP waren und dass die hiesigen Einwohner in allen Bestandteilen an der braunen Pest aktiv beteiligt waren. Dieser Zustand dauerte bis Mai 1945.
Kämpfe um das Dorf (S. 53 f.)
Der Kampf um das Dorf war kurz und wurde am 7. 5. 1945 bereits am Vormittag entschieden. Nach dem Durchbruch der deutschen Linien bei Troppau war die Rote Armee nicht mehr aufzuhalten. Der erbitterte Widerstand, den die Deutschen am Ortsrand von Alt-Vogelseifen leisteten, wurde nach fünfstündigem Kampf gebrochen und um 11 Uhr besetzte die Rote Armee den Ort. Die Tatsache, dass zehn Häuser zerstört wurden, zeugt von harten Kämpfen. Leider fielen dabei fünf Rotarmisten. Drei wurden auf dem Friedhof beerdigt, einer, ein Offizier, im Garten des Hauses Nr. 47 und einer am Waldrand östlich des Ortes, unweit der Nr. 55, wo er fiel. Alle wurden später exhumiert und auf dem Zentralfriedhof der Roten Armee im Freudenthal bestattet. Ruhm den Gefallenen! Nach der Kapitulation Deutschlands übergab die Rote Armee am 9. 5. 1945 den Einheiten der tschechoslowakischen Armee die Aufsicht über die eroberten Gebiete. Die militärische Aufsicht über das Dorf dauerte bis zum 5. 7. 1945, als zivile Organe der öffentlichen Verwaltung eingesetzt wurden. Die Kriegsschäden sind riesig und belaufen sich auf eine Summe in zweistelliger Millionenhöhe. Ein empfindlicher Verlust ist die zerstörte Ziegelei an der Kreuzung der Landstraßen nach Lichtewerden und Wiedergrün. Es war der einzige Industriebetrieb im Ort. Auch die Verluste an Nutztieren waren groß. Im Ort blieben 250 Stück Rindvieh, 95 Schweine und 32 Paar Lastpferde. Dabei ist die Katasterfläche des Orte 1600 ha, davon 1250 ha Ackerland.
S. 53 unten:
Nach der Kapitulation Deutschlands übergab die Rote Armee am 9.Mai 1945 die Aufsicht über die eroberten Gebiete in der Tschechoslowakischen Republik und auch über den hiesigen Ort an die Einheiten der Tschechoslowakischen Armee. Die Militärüberwachung über das Dorf dauerte bis zum 5. Juli 1945, bis im Dorf zivile Organe der Öffentlichen Verwaltung eingesetzt wurden.
S. 54:
Die Kapitulation Deutschlands – Staatsumsturz
Am 9.Mai 1945 wurde Deutschland besiegt und nahm die Bedingungen der Sieger im ganzen Ausmaß an. Unserer schwer zerknirschten Heimat, wie auch anderen Ländern ganz Europas, ging an diesem Tag die Sonne der Freiheit auf. Auf ihrer ruhmvollen Reise nach Westen befreite die Rote Armee einen großen Teil der Tschechoslowakischen Republik. So wurde, dank unseres großen Verbündeten, der Sowjetunion, möglich, dass auf das befreite Gebiet der Präsident unserer Republik Dr. Ed. Beneš zurückkehrte und dass schon am 5. April 1945 wieder auf heimischen Boden und zwar in Košice (Kaschau) eine neue Tschechoslowakische Regierung gebildet wurde.
Konfiszierung des feindlichen Besitzes
Den Rufen der tschechischen und slowakischen Landwirte und Landloser nach konsequenter Durchführung einer neuen Grundbesitzreform entgegenkommend und mit der Bemühung geführt, ein für allemal den tschechischen und slowakischen Boden aus den Händen der Feinde und der Volksverräter zu nehmen, entschied sich die Regierung für die Konfiszierung des Bodens der Feinde und Verräter und für das Verteilen desselben unter den Kleinlandwirten. Es wurde der Národní pozemkový fond (der Nationale Bodenfond) errichtet, unter welchem der gesamte Boden, die Gebäude und das gesamte Inventar und der Besitz, falls er deutschen und ungarischen Einwohnern der Tschechoslowakischen Republik gehörte, die sich aktiv an der Zerstörung und Okkupierung der Tschechoslowakei beteiligten, fiel. Der gesamte Besitz, sowohl der Boden als auch der damit zusammenhängende Besitz, wurde ersatzlos konfisziert. Durch diesen Regierungsbeschluss wurde auch über den Besitz der deutschen Einwohnerschaft im hiesigen Ort entschieden, weil keiner bewies, dass er in der Zeit der erhöhten Bedrohung der Republik ihre Interessen wahrte.
Errichtung der Selbstverwaltung (S. 55)
Weil es im Dorf keinen einzigen Tschechen gab, der die
Funktion eines Selbstverwaltungs-vertreters hätte ausüben können, benannte
die Kreisverwaltungskommission (Okresní
správní komise) in Freudenthal für Alt-Vogelseifen eine
Verwaltungskommission. Sie wurde aus drei Tschechen gebildet. Zum Vorsitzenden
wurde Al. Vyroubal ernannt, Kommissionsmitglieder waren Kar.
Brumovský und Vojt. Ženata. Die ersten beiden kamen aus Čechy
pod Košířem (Tschech), V. Ženata aus Jevíčko (Gewitsch). Alle drei
waren während der Okkupation im Widerstand tätig gewesen und es wurde daher
ganz richtig angenommen, dass sie sich am Aufbau des Vaterlandes und der
Grenzregion mit voller Kraft beteiligen würden. Die örtliche
Selbstverwaltungskommission (Místní správní
komise; MSK) musste riesige Aufgaben schultern: Die Konsolidierung der
Selbstverwaltung, die Untersuchung der Tätigkeit der Deutschen in der Zeit der
erhöhten Republikgefährdung
Besiedelung durch tschechische Bevölkerung (S. 55)
Gleichzeitig mit der Ankunft der Mitglieder der Örtlichen
Selbstverwaltung setzte eine allmähliche Besiedelung durch tschechische Bevölkerung
ein. Von den ersten neuen Bewohnern tschechischer Herkunft blieben hier die
Familien von Al. Vyroubal,
S. 55 unten bis S. 56 oben:
Um 12 Uhr, am 15. August brach in der Hausnummer 77 Feuer aus. Die Scheune, welche voll mit geerntetem Getreide war, brannte nieder. Wie das Feuer entstand wurde nicht erklärt. Die erlittenen Schäden von 146.000 K. wurden durch die Versicherung gedeckt.
Eröffnung der tschechischen Schule
Am 1. September 1945 wurde im hiesigen Ort die tschechische Schule eröffnet. Eingeschrieben wurden und die Schule besuchten 4 Schüler tschechischer Abstammung. Regelmäßiger Unterricht begann erst am 24. September, weil die Schule, damit sie den Anforderungen entsprach, zuerst hergerichtet und geweißt werden musste.
Bevölkerungsstatistik (S. 56)
Zum 28. 10. 1945 zählte Alt-Vogelseifen insgesamt 534
Einwohner, davon 32 Tschechen,
S. 56 von der Mitte bis Ende:
Feier am 28.Oktober
Am 28. Oktober wurde wieder die Feier zur Gründung des tschechoslowakischen Staates durchgeführt. Die gesamte tschechische Einwohnerschaft nahm an diesen Feiern, die in der Schule durchgeführt wurden, teil. Auch der Bezirksvertreter war anwesend.
Naturbedingungen
Das Wetter in diesem Jahr war sehr günstig für die Landwirte. Selbst wenn sich der Mangel an Arbeitskräften und Gespannen zeigte, wurden die gesamten Feldarbeiten mit Erfolg beendet und das Getreide ausgesät. Die Ernte war gut und verspricht den Landwirten beträchtlichen Gewinn. Auch das Obst geriet gut und es gab viel davon. Der Winter begann erst am 23. November, als viel Schnee bei starkem Wind fiel. Der Schnee schmolz aber schon zwei Tage darauf. Am 27. November fiel neuerlich Schnee und der Winter behielt seine Vorherrschaft.
Am 1. November wurde die lokale Verwaltungskommission (Místní správní komise, weiter auch MSP) erweitert, die dann in dieser Besetzung bis zum Juli 1947 nur wenig verändert wurde.
ab S. 57: 1946
Anfang 1946 war die Revolutionsperiode, die wir im letzten Jahr erlebt hatten, noch nicht beendet. Viele, viele Menschen sind sich bisher des Geschehens um uns herum nicht bewusst. Wie viele Menschen verstehen, dass wir mitten in einem riesigen Umbau der ganzen Welt leben, dass wir in einem Zeitalter leben, über das es nie ein größeres gab und vielleicht nie geben wird. Es geht nicht nur um die größte Erfindung aller Zeiten – die Freigabe der Atomkraft – und andere technische Fortschritte, sondern auch um den Aufbau einer neuen, jungen Welt, auf der ein einfaches, arbeitendes Volk leben wird. Dieses Volk will glücklich leben und wünscht sich keine Kriege oder Gewalt. Die Schwierigkeiten liegen darin, dass wir den genauen Weg nicht kennen und ihn erst suchen. Wir sind kein großer Staat, aber wir können durch unsere Einigkeit und Arbeitseifer die gute Richtung der Menschheit zeigen.
Zum 1.1.1946 zählte Alt-Vogeleifen 522 Einwohner, davon 32 Tschechen und 490 Deutsche. Aufgrund zum einen des Zuzuges einer größeren Zahl tschechischer Bevölkerung, zum anderen der Abschiebung der Deutschen änderte sich die Einwohnerzahl während des ganzen Jahres 1946 ständig. Laut Auskunft des Matrikelführers wurden in diesem Jahr sieben Kinder geboren, fünf Jungen und zwei Mädchen, eine Person starb und eine Ehe wurde geschlossen. Die erste tschechische Hochzeit in Alt-Vogelseifen wurde am 28. September von den Eheleuten Kniza aus dem Haus Nr. 22 gefeiert.
Der Gemeindehaushaltsplan
Im Gemeindehaushaltsplan für das Jahr 1946 wurde der ordentliche Verbrauch auf eine Höhe von 62.960 Kčs festgelegt, davon 11.210 Kčs für schulische Zwecke. Das Einkommen wurde auf einen Betrag von 19.866 Kčs berechnet. Der Rest sollte durch einen 240%igen Zuschlag zu den direkten Steuern sowie einen 200%igen Zuschlag zur Hauszinssteuer erbracht werden. Um die Bezahlung des ungedeckten Fehlbetrags wurde der Staat gebeten. Die Jahresabrechnung wurde auf 83.395,30 Kčs als Einnahmeposten taxiert und die Ausgaben betrugen 79.555,59 Kčs. Der Kassenbestand in Höhe von 3839,71 Kčs wurde auf das Jahr 1947 als ersten Einnahmeposten überwiesen.
S.58:
Wichtige Entscheidungen der lokalen Verwaltungskommission
Im Januar beantragte die MSK bei der Regierung der Tschechoslowakischen Republik eine Resolution, damit das Verbot der Besiedlung des Ortes widerrufen wird. Sie schloss sich damit einer Reihe von Orten in der ganzen Region an, die hiervon genauso betroffen waren. Die Regierung entschied im Mai endgültig zugunsten der hiesigen Region und der Gemeinde wurde gestattet, weiter tschechische Einwohnerschaft anzusiedeln. Im März wurde ein Pflichtbesprühen der Bäume angeordnet. Die mit dem Besprühen der Obstbäume verbundenen Kosten trug der Besitzer. Im Juni bat die MSK den Nationalen Bodenfond um Subventionen des Rindviehs aus der Verschiebungsaktion. Acht Bauern unter der Leitung von Josef Cigoš fuhren nach Westböhmen und brachten 120 Stück Rindvieh, das unter bedürftigen Bauern verteilt wurde. In den Tagen vom 5. bis 6. Juli fanden unter dem Schirm der nationalen Kreisausschüsse in Mährisch-Schönberg, Freiwaldau und Freudenthal, nationale Wanderungen auf den Altvater und in das befreite Altvater-Gebirge statt. Auch die MSK nahm an dieser Aktion teil. Leider war das Wetter schlecht und es gab wenig Teilnehmer. Um den Bauern zu helfen, entschied sich die MSK aus der Aktion UNNRA (Aufbauhilfe der Vereinigten Nationen) 10 Pferde zu kaufen. Die Pferde wurden in Troppau gekauft und den bedürftigen Bauern zugeteilt.
Die Nationalen Feiertage
Die Ehrentage der Tschechoslowakischen Republik, der 9. Mai und der 28. Oktober, sowie die Geburtstage der Präsidenten T.G. Masaryk und Dr. Ed. Beneš wurden in der Schule mit Hilfe von Schülern und unter Mitwirkung der ganzen Öffentlichkeit gefeiert. Am 28. Oktober leisteten die Einwohner den Eid des Zweijahresplans ab.
Das Wetter und die Witterung
Das Wetter in diesem Jahr war komisch und ungewöhnlich. Während im Dezember letzten Jahres und im Januar dieses Jahres viel Schnee gefallen war, trat im Februar rasches Tauwetter auf und vom 10.-14. Februar regnete es immerfort. Der Bach im Ort konnte solche Wassermengen nicht aufnehmen, trat über die Ufer und nahm alles, was ihm im Weg stand. Auf diese Art wurden viele Brücken niedergerissen, die über den Strom zu den Zugängen der Häuser gebaut wurden. In vielen Häusern, die am Bach standen, liefen die Keller voll Wasser. In der Hausnummer. 99 brach das Wasser ins Haus und in den Stall ein. Das Vieh musste ausgeführt werden. Das Wasser war in den Ställen ca. 1 m hoch. Die Brücke, die zum Lichtewerden führt, schaffte es nicht, alles Wasser zu aufzunehmen, dieses überflutete und bildete um herum einen See. Die Wiesen um den Bach am nordöstlichen Rand des Dorfes waren ein einziger Wasserspiegel. Am 14. Februar in den Abendstunden sank das Wasser und es drohte keine Gefahr mehr. Keiner der älteren Menschen konnte sich an so etwas erinnern. Der Frühling begann früh. Am 20. März wurde schon auf dem Feld gearbeitet. Am 5. Mai brach starker Frost herein und Bäume, die gerade blühten, litten beträchtlich. Der Sommer war sehr stürmisch. Es hagelte oft, aber die Hagel richteten keine großen Schäden an. Der Winter meldete sich früh und schon am 15. Oktober war der Altvater mit Schnee bedeckt. Am 28. Oktober fiel Schnee auch im Tal und es brach die Zeit der Schlacke und des Unwetters an. Ende November brachen Fröste herein, die nicht mehr nachließen und bis - 230 erreichten. Viele Bienenvölker gingen ein und auch die Wildtiere erlitten große Verluste.
Die Wahlen
Im Mai fanden die Wahlen in die ÚNS
(Ústavodární národní shromáždění
- die verfassungsgebende Nationalversammlung) statt. Die Zahl
der rechtmäßiger Wähler, die in die Wählerliste eingetragen waren, war 24.
Da eine so kleine Anzahl nicht befugt
war, eine eigene Wahlkommission zu haben, wurden die Wähler dem Wahlraum
in Nová Víska (Neudörfel) zugeteilt, wo sie auch
alle eintrafen. Die Stimmen teilten sich die Parteien folgendermaßen auf: 1. Strana komunistická (Kommunistische Partei) - 17 Stimmen 2. Strana soc. dem. (Sozialdemokratische Partei) - 4 Stimmen 3. Strana nár.soc. (Nationalsozialistische Partei) - 2 Stimmen 4. Strana lidová (Volkspartei) - 1 Stimme
Es gab keine leeren Stimmzettel. Die Wahlen verliefen ruhig und würdevoll ab.
Abschiebung der Deutschen (S. 59f.)
Im Jahr 1946 wurde konsequent die Abschiebung der Bevölkerung deutscher Nationalität durchgeführt. Die erste Gruppe von 30 Menschen wurde am 5. Mai abgeschoben. Weitere folgten dann in kurzen Zeitintervallen bis zum 10. Oktober, als die letzte, 163 Menschen zählende Gruppe abgeschoben wurde. Insgesamt wurden 463 Deutsche abgeschoben, drei blieben auch weiterhin in Alt-Vogelseifen , weil zwei von ihnen als Spezialisten bei den Leinwerken in Lichtewerden beschäftigt sind. Die Abschiebung verlief glatt und ohne Zwischenfälle. Der letzte Transport mit Deutschen verließ die Tschechoslowakische Republik am 29. Oktober.
S. 60:
Besiedlung des Ortes
Die Besiedlung des Ortes kann
in diesem Jahr in drei Etappen eingeteilt werden. 1. Frühlingsetappe 2. Sommeretappe 3. Herbstetappe
Besiedelung des Ortes (S. 60)
Die Besiedelung kann in die Frühlings-, die Sommer- und
die Herbstetappe eingeteilt werden. Während der ersten Etappe kamen
folgende Familien: Die sommerliche Besiedelungsphase war die stärkste. Folgende Familien besiedelten die jeweils nachfolgend mit Nummer genannten Häuser: Otrusina 2, Grulich 3, Spurný 4, Gabriel 5, Fiala 6, Cigoš 7, Rezek 8, Baláž 46, Valenta 11, Podsedník 21, Forr (Schmied) 101, Bortl 35, Trunkát 42, Leonhart 45, Marička 47, Struchlík 50, Otrusina 51, Jedlička 55, Procházka 117, Vaculík 54, Lenhart 99, Kočenda 81, Maixner 83, Němčák 75 und Buček 48. Fr. Švec bekam das Haus Nummer 32, Jos. Švec 33 und J. Pillich das Haus Nr.38. Während der dritten Etappe kamen die Familien
Veverka in das Haus Nr. 29, Malásek 1, Štolcar 8, Kočí 15, Lehotský 16, Kovář 17, Hrtúz 18, Pokorný 19, Vymazal
148, Kováč 28, Pavlásek 93, Lehotský 39, Štolcar 50, Peřina 54, Ráb 65 und Husar das Haus Nr. 77. Das Haus Nummer
118, die Wirtschaft, besetzte Vl.
Šnejdrle mit Familie. Am 1. 11. 1946 kamen die restlichen Höfe unter die Verwaltung der Gebietsweide-genossenschaft (Oblastní pastvinářské družstvo), welche sich zunächst im unteren Dorfteil konzentrierte. Es waren die Hausnummern 20, 41, 88, 44, 80, 73, 21 und 30 und einige Einfamilienhäuser für ihre Deputatarbeiter und deren Familien. Vorläufig wurden der Genossenschaft 425 Ha Land zugeteilt.
S. 61:
Landwirtschaft
Weil es im Ort nur wenig Gespanne gab, bereiteten die Ackerarbeiten im Frühling große Sorgen, ob sie rechtzeitig beendet sein würden. Das Wetter war aber günstig und es wurde trotz Verspätung ausgesät. Die Ernte war gut und die Bauern bereuten die Mühen nicht. Nur im Herbst zeigte sich der Mangel an Arbeitskräften und weil der Winter früh kam, wurde die Kartoffelernte nicht geschafft.
Öffentliche Tätigkeit
Im Ort wurde für einen Aufwand von 2.800 Kčs eine öffentliche Gemeindebücherei gegründet. Es wurden 80 Bücherbände gekauft und 10 Bücherbände vom Ministerium für Schulwesen und Volkskultur geschenkt, so dass die Bibliothek Ende des Jahres 90 Bücherbände hatte. 10 Leser liehen 55 Bücher aus. Am. 1. Februar wurde im hiesigen Ort ein Postamt eröffnet. Man teilte ihm das Gebäude Nr.141 zu. Er ist für den Ort von großem Vorteil.
Land und Staat
Am 19 Juni 1946 wurde die Wahl des Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik durchgeführt. Als Präsident wurde wieder Dr. E. Beneš gewählt. Nur selten treffen wir in der Geschichte auf so eine Einstimmigkeit. Alle 298 Anwesenden der ÚSN gab die Stimmzettel auf den Namen Dr. E. Beneš ab. In diesem Jahr wurde die Verstaatlichung der Industrie durchgeführt. Am 28. Oktober unterschrieb Präsident E. Beneš das Gesetz über „den zweijährigen Wirtschaftsplan“ für das Jahr 1947 und 1948. Die Landsleute kehren aus dem Ausland zurück. Wir haben die Rückehr von 33.000 Tschechen aus Volyně (Wohlau oder Wolin) bejubelt und aus Ungarn kamen 10.000 Slowaken zurück. Erstmals, seit Weltbeginn, traff sich das Kollegium der Richter und Ankläger aus der ganzen Welt in Nürnberg, um die zu verurteilen, die unbegründet den Krieg ausgelöst und ihn mit eiskalter Grausamkeit geführt hatten. Am 30. September 1946 erließ das Internationale Richterkollegium in Nürnberg das Urteil, durch das 12 Hauptschuldigen das Todesurteil zuerkannt wurde. Die Anklage unseres Staates vertrat General Dr. Ečer. Am 3. Juli bekam die Republik eine neue Regierung, an deren Spitze Klement Gottwald stand. In diesem Jahr wurde in Ostrau ein nationaler Landesausschuss (Zemský národní výbor, ZNV) als Zweigstelle des ZNV in Brünn für Schlesien und Ostmähren errichtet. Am 31. Dezember beendete die UNRRA ihre Tätigkeit, die uns in der Nachkriegsnot so behilflich war.
1947
Dieses Jahr wurde im Zeichen des „Zweijährigen Wirtschaftplanes“ begonnen. Es wurde in das erste Jahr des „Zweijahrplanes“ eingetreten, welcher Mängel in unserem Staat abbauen und die zerstörte Industrie, die der Krieg beschädigt hatte, erneuern und somit jedem Bürger der Republik ein zufriedenes und ruhiges Leben und gleichmäßigen Wohlstand ermöglichen sollte. Jede Produktionseinheit unserer Industrie wird sich durch intensive Arbeit bemühen, damit das Schlagwort: „zwei Jahre intensive Arbeit – zwei Grade des Wohlstandes“ wahr wird. Es handelt sich in diesem Jahr um den Wiederaufbau des zerstörten Industrielebens und der vom Feind zerstörten Werte, schnelles Widerbeleben der Produktion für die Bedürfnisse der Zivilgesellschaft, sowie der Sicherung von Arbeit und Einkommen für alle tüchtigen Leute.
Bevölkerungsstatistik (S. 62)
1947 wurden 25 Kinder, 14 Jungen und 11 Mädchen geboren, vier Personen, drei Kinder und ein Erwachsener, starben. Erster Tscheche, der nach der Befreiung im Ort gestorben ist, war Fr. Peřina, ein Kind von 1 ½ Jahren. Er verstarb am 22. April und ist auf dem hiesigen Friedhof beerdigt.
S. 63:
Gemeindehaushaltsplan
Der Gemeindehaushaltsplan wurde auf ...(Betrag fehlt)...Kčs und ...(Betrag fehlt)...Kčs Ausgaben festgelegt. Der ungedeckte Fehlbetrag wurde durch einen 240%igen Zuschlag zu den direkten Steuern und einen 200%igen Zuschlag zum Hauszinssteuer bezahlt. Um die weitere Vergütung wurde der Staat gebeten. Der Jahresrechnungsabschluss lautete auf ...(Betrag fehlt)...Kčs Einkommen und ...(Betrag fehlt)...Kčs Kosten. Der Nettoverbleib in Höhe von ...(Betrag fehlt)...Kčs wurde als erster Einnahmeposten überwiesen. Für die Schulzwecke wurden ...(Betrag fehlt)...Kčs ausgegeben.
Wichtige Beschlüsse der MSK
Die lokale Verwaltungskommission (MSK) entschloss sich im Rahmen der zweijährigen Planung im Ort zu folgenden Maßnahmen und Reparaturen: 1. Einen Obstgarten zu errichten. 2. Sie repariert die lokale Wasserleitung - bzw. führt dessen Renovierung durch. 3. Sie führt im Ort Rundfunk und Beleuchtung ein. 4. Sie beantragt beim Fond des nationalen Wiederaufbaus und nationalen Bodenfond eine Genehmigung zum Abreißen unbewohnbarer Häuser und führt die Gestaltung des Dorfplatzes durch. 5. Sie beantragt beim zuständigen Amt, dass das Haus Nr. 85 der Gemeinde für öffentliche Zwecke - als Gemeindebüro - zugeteilt wird.
Der Bezirksnationalausschuss in Freudenthal stellte einen Antrag auf Zusammenschluss der Orte Starý und Nový Vogelzejf (Alt- und Neu-Vogelseifen) unter eine Verwaltung. Die lokale Verwaltungskommission bewilligte diesen Zusammenschluss im Prinzip, behielt sich aber eine Bedingung vor, die finanzielle Lastenfreiheit des Ortes.
Am 7. September wurde ein Abkommen zwischen dem Ort Wiedergrün und Starý Vogelzejf (Alt-Vogelseifen) geschlossen, wodurch die Katastergrenze der Orte angepasst wurde. Der Ort überlässt der Gemeinde Wiedergrün ein Teil des Katasters, der den Zipfel an der Grenze des Katasters von Starý Vogelzejf und Lichtewerden bildet, mit den Nummern 94, 115, 118 und 119, die von Starý Vegelzejf 3 Km entfernt sind und bekommt dafür Wald auf dem nördlichen Kataster der Gemeinde, welcher die neue Grenze bilden wird. Das Abkommen wurde am 10. September unterschrieben und tritt nach Bewilligung der Oberbehörde in Kraft.
S. 64:
Staatliche Feiertage
Die Staatlichen Feiertage, der Tag des Sieges am 9.Mai und der 28. Oktober, wurden würdevoll im Beisein der Selbstverwaltungsorgane und der gesamten Öffentlichkeit des Ortes gefeiert. Der Tag des Sieges wurde am 8. Mai durch eine öffentliche Volksversammlung auf dem Schulturnplatz gefeiert. Nach der Kundgebung, die die Bedeutung dieses Tages für unseren Staat hervorhob, wurde ein Scheiterhaufen angezündet. Die Feier des 28. Oktober wurden am Abend des 23.Oktober in der hiesigen Schule durchgeführt, bei der zu der versammelten Einwohnerschaft der Vorsitzende der MSK Al. Veverka über die Bedeutung der Demokratie sprach und dem Ausdrucks eines Glaubens an eine bessere Zukunft und Stabilität der Zustände endete.
Öffentliche Tätigkeit
Am 28. Oktober führten die Schüler der hiesigen Schule die erste tschechische Theatervorstellung in diesem Ort durch. Die Gemeindebücherei hatte am Ende des Jahres 130 Bücherbände. Während des Jahres wurden 18 Bände gekauft und das Landwirtschaftsministerium schenkte 22 Bände. 15 Leser liehen insgesamt 367 Bücher aus.
Ortnamensänderung (S.64)
Aufgrund des §1 des Gesetzes Nr.266 vom 14. 4. 1920 über
die Orts- und Straßennamen wurde durch einen Beschluss des Innenministers die Ortschaft
Alt-Vogelseifen in
S. 65:
Zum Paten des Ortes wurde Kar. Brumovský, der aktive Beamte, wohnhaft in Stará Rudná Nr. 145. Bei dieser Feier kamen wunderschöne Volkssitten und Bräuche zur Geltung, die zusammen mit Trachten die mährischen Slowaken in den Ort mitbrachten, welche hier die größte Gruppe bilden. Vielleicht, und es wäre schön, wenn es passieren würde, behalten sie ihre Eigenart und verlöschen nicht im Meer der Alltäglichkeit.
Besiedelung des Ortes (S.65)
Im Jahr 1947 wurden noch die Häuser Nr. 30 durch die Familie Ig. Protivánek, Nr. 72 durch die Familie Jos. Protivánek, Nr. 93 durch die Familie Habán, Nr. 95 durch die Familie Kolečkář und das Haus Nr. 87 durch die Familie Klimek Weil einige der Bewohner wieder in ihre Orte zurückgekehrt waren, kam es im Dorf selbst zu Bewegungen. So zog B. Lenhart aus dem Haus Nr. 45 in das Haus Nr. 6 um, Jan Kováč aus 28 in 65, (Mich.?) Husár aus 77 in 81, Jos. Lenhart aus dem Haus Nr. 99 in das Haus Nr.43. Die Verwaltung der Weidegenossen-schaft besetzte das Haus Nr. 142. Die meisten Bewohner kommen aus der Mährischen Slowakei (Zlechov, Strání, Želetice). Eine weitere Gruppe kommt aus der Hanna, Kreis Proßnitz (Slatinky, Čechy pod Košířem) und eine dritte aus dem Kreis Lipník nad Bečvou (Velký Ujezd Lazníky). Die übrigen Dorfbewohner kommen aus verschiedenen Teilen Mährens und der Slowakei.
Witterungsbedingungen und Wetter
Das Wetter in diesem Jahr - ungewöhnlich. Der Winter war lang und streng mit viel Schnee und dauerte bis Ende März. Der Sommer zeigte sich als trocken und heiß. Die Regenniederschläge waren selten und ab Juni bis zum 18. Oktober regnete es außer zwei kurzen Gewitterschauern gar nicht. Am 18. Oktober kam zusammen mit dem Regen der erste Schnee, der aber nicht gehalten hat. Kälte, die sich Mitte Dezember meldete, wies keine Zeichen von Winter aus, weil es später warm wurde und es über die ganzen Weihnachten regnete. Am 23. Dezember entluden sich, bei starkem Sturmwind, noch regelmäßig Gewitter mit allen Erscheinungen übers Land. Ein Regenbogen war in diesem Winter keine ungewöhnliche Erscheinung. Die Temperaturen reichten bis +80C. Das Jahr, und insbesondere die Monate November und Dezember, waren sehr windig und die Stürme richteten viele Schäden in den Wäldern an.
S. 66:
Landwirtschaft
Am 11. Februar besuchte der Landwirtschaftsminister Ďuriš Freudenthal und gab den tüchtigen Landwirten des Bezirkes Freudenthal Dekrete über den Bodenbesitz. Im März wurden im hiesigen Ort Zuteilungspläne durchgeführt und den Landwirten wurde das Land zugeteilt. Die Bauerhöfe bekamen je nach Wertigkeit 13 bis 20 ha Boden. Im Juli führte der Nationale Bodenfond und der Fond des nationalen Wiederaufbaus eine Bewertung und Zuteilung des Inventars einzelnen Interessierten in das Besitztum durch. Die vorhergehende Unruhe und Nervosität der Insassen wurde durch diese Leistung abgeschafft und alle machten sich fröhlicher und einträchtiger an die Arbeit, weil somit viele Reibungsflächen aufgehoben wurden. Dieses Jahr war für die Landwirte nicht günstig. Die Frühlingsarbeiten begannen erst nach dem 7.April, also stark verspätet. Obwohl im Ort die rationelle Bodenverwertung mit Hilfe modernster Geräte durchgeführt wurde, blieb die Bemühung der Landwirte vergeblich, infolge der katastrophalen Trockenheit, die nicht nur diese Gegend, sondern die ganze Tschechoslowakische Republik betraf. Die Getreideernte sank tief unter den Durchschnitt, die Kartoffelernte war dürr und nur der Leinenerlös wies einen gewissen Trost für die Mühen der Bauern auf. Sehr große Sorgen bereitete der Mangel an Fütterung für das Vieh und die Landwirte kümmerten sich darum, wie sie mit begrenzten Portionen bis zum nächsten Frühling auskämen. Seltsam wirkt dagegen eine reiche Obsternte.
Feuer
Am 17.April, genau um 12 Uhr Mittag, entstand auf dem Gut Nr. 73 Feuer, welches, unterstützt vom starken Westwind, in Blitzschnelle den ganzen Bauerhof ergriff und jedwede Hilfsarbeiten verhinderte. Zum Feuer kamen die Feuerwehren aus Světlá (früher Lichtewerden), Nová Víska (Neudörfel), Malá Morávka (Kleinmohrau), Karlov (Karlsdorf) und Freudenthal zusammen, leider konnten sie sich nur auf das Lokalisieren des Feuers, das inzwischen auf das Haus Nr. 71, welches bis auf den Grund ausbrannte, rüber sprang, beschränken. Die Schäden waren groß und beliefen sich auf 1,200.000 Kčs. Schmerzhaft war, dass außer Arbeitsgeräten und Möbeln auch 38 Stück Rindvieh verbrannten. Die Ursache des Feuers war ein Kurzschluss.
S. 67:
Land und Staat
Am 10. März 1947 wurde ein Vertrag der Freundschaft mit Polen unterschrieben. Am 11. Dezember wurde ein Handelsabkommen mit der Sowjetischen Union über Getreidelieferung abgeschlossen, womit in unserem Staat die kritische Erhaltungsfrage, die mit der, durch die katastrophale Trockenheit verursachte, schlechte Ernte begann, gelöst wurde.
Schlußanmerkung:
Verantwortlich für die Übersetzung vom Tschechischen ins Deutsche: Frau Lenka Machova und Herr Filip Hlusicka – München
Eichenau im August 2004 R. Vogel
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