Gedenkbuch
der
Gemeinde
Alt
- Vogelseifen.
Das
Buch enthält 400 Seiten; dies wird hiermit vom
Gemeinderat
Alt - Vogelseifen bestätigt.
| Der
Gemeindevorsteher: |
|
Die Gemeinderäte: |
| Josef
Fitz |
|
Franz
Kühnel |
|
|
Alois
Langer |
|
|
Franz
Fritsch |
|
|
Franz
Mildner |
Vorwort
zur Original – Kopie des:
Gedenkbuch
der
Gemeinde
Alt-Vogelseifen
Teil I: Seite 1 – 49 in Sütterlin Handschrift
- Das
Original - Gedenkbuch von Alt-Vogelseifen ist handschriftlich in Sütterlinschrift
geschrieben
- Das
Gedenkbuch beschreibt die geschichtliche Entwicklung vom Jahre 1260 bis zum
Jahre 1936 und endet mit diesem letzten Eintrag in Sütterlinschrift
- Für
die Jahre 1937 – 1944 sind keine Eintragungen mehr in Sütterlinschrift
vorhanden
- Ab
dem Jahre 1945 bis ca. 1955
wird das Gedenkbuch handschriftlich in tschechischer Sprache fortgesetzt
- Es
ist zu vermuten, dass die Seiten des Gedenkbuches mit den deutschsprachigen
Eintragungen für die Zeit von 1937 bis 1945 nachträglich von Dritten
herausgetrennt worden sind
Teil
II:
Seite 51 – 67 in tschechischer Handschrift
- nur auszugsweise -
- Ab
dem Jahre 1945 bis ca. 1955 wird das Gedenkbuch handschriftlich in
tschechischer Sprache fortgesetzt
- Von
den tschechischen Eintragungen wurden auszugsweise Kopien erstellt
von 1945 – 1948
Teil III:
Gedenkbuch
Des
Pfarrsprengels
Dittersdorf
/ Dec. Jägerndorf
Vom jahre
1898
- Insgesamt
wurden auszugsweise 6 Seiten kopiert
Schlussbemerkungen:
- Die
Kopien wurden vom Original erstellt im Frühjahr 2004
- Ein
Exemplar der Originalkopie liegt zur Einsicht auf im:
Heimatmuseum
Freudenthal / Sudetenland
im Stadtmuseum der Patenstadt Memmingen
Hermansgasse, 87
700 Memmingen
- Eine
Übersetzung des vorliegenden tschechischen Teiles des Gedenkbuches wird
derzeit erstellt
- Die
Übersetzung / Übertragung der Sütterlinschrift in die elektronische
Datenverarbeitung erfolgte durch Herrn Adolf Jahn, Sigmaringen
- Die
vorliegenden Unterlagen wurden federführend veranlasst und erstellt durch:
Rainer Vogel
Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtsch.-Ing.
Eichenau, im Juni 2004
Der
Chronist.
Von der
Gemeindevertretung zu Alt-Vogelseifen wurde ich Josef
Dudycha, Oberlehrer in Alt-Vogelseifen,
zum
Gemeindechronisten bestellt. Ich bin 1891 in Biela in Ostböhmen geboren, habe
in Troppau die Lehrerbildungsanstalt besucht und bin seit dem Jahre 1926 als
Oberlehrer an der hiesigen Schule angestellt; seit 1910 wirkte ich in der
Nachbargemeinde Ober-Wildgrub als Lehrer und seit 1918 ebenda als Oberlehrer.
Ich hoffe, meinem Amte als Gemeindechronist gut vorstehen zu können.
Einleitung
Die Ortschaft Alt-Vogelseifen (Fogylssaif) entstand
um das Jahr 1260 unter dem berühmten Olmützer Bischof Bruno von Schaumburg,
der nach dem Mongoleneinfall sächsische und bayrische Ansiedler in diese Gegend
zog, um die Urwälder zu schlagen und den Boden urbar zu machen. Diese Ansiedler
kannten auch den Bergbau und legten Goldwäschereien an. Einer solchen Goldwäsche
verdankt auch Fogylssaifen seinen Namen. der Gründer (Lokator) des Dorfes hieß
wahrscheinlich Fogel und Saifen bedeutet einen Bach, aus dem Gold gewaschen
wurde. Die Umgebung von Alt- und Neu - Volgelseifen, Klein Mohrau und Engelsberg
ist sehr erzhaltig und die den Erzschichten entrinnenden Bäche führten
Mineralkörner, Gold und Silber mit und verrieten so die Erzlager. Diese wurde
dann von fachkundigen Bergleuten nachgegraben.
Vom 1270 bis zum Jahre 1377 gehört das Dorf
Alt-Vogelseifen mit allen Bergwerken, Goldwäschereien zum Stifte Velehrad. Die
Stiftsherren riefen Bergleute herbei, um den Erzreichtum auszunützen. die neuen
Ansiedler erhielten ein Stück Land, um darauf ein Wohnhaus zu erbauen; sie
konnten nach belieben noch Grundstücke zukaufen. der Gründer (Lokator) erhielt
gewöhnlich eine „Freihube” (70 Metzen) und erbaute das „Erbgericht”.
Man unterschied Ganzhübner, ¾ und ½ Hübner,
manche erhielten nur ¼ Hube; die 1/8 Hübner wurden „Gärtler”
genannt. die Bergleute erhielten auch das notwendige Holz umsonst; sie erbauten
ihre Hütten gewöhnlich dort, wo sie das meiste Erz fanden. der östliche und
zugleich älteste Teil unserer Gemeinde heißt heute noch im Volksmund „de
Zach”, d.i. Zeche, ein bergmännischer Ausdruck. Auf dem Silberberge finden
sich heute noch verfallene Schächte und unweit davon am Schwarzbach im sog. „Oland”
große verraste Geröllhaufen; sie können nur von Menschen dahin gebracht
worden sein und bezeichnen zweifellos den Ort der Goldwäscherei.
1280. Eine Urkunde im Brünner Landesarchiv erwähnt bei Fogylssaif ausgedehnte
Goldwäschereien. die Arbeit des Goldwaschens
sei folgend kurz beschrieben. Zuerst wurden runde Schurfschächte bis auf die
Unterlage der goldführenden Schichten getrieben. Mit einem kleinen Waschtroge
wurde Goldvorkommen festgestellt. Trafen die Bergleute auf eine goldhaltige
Ablagerung, die sich „des Waschens” lohnte, so wurden die oberen
Erdschichten abgeräumt und abseits
zu großen Halden zusammengeführt nun wurden die erdigen Bestandteile aus der
erzführenden Schicht geschwemmt. Der zurückgebliebene Sand wurde in große hölzerne
Rinnen geschaufelt und in die Rinnen wurde Wasser geleitet. Jetzt begann das
eigentliche „Waschen”. In den Rinnen wurden Kalbfelle gelegt und der Sand
darüber gespült. In den Haaren blieben die schweren Goldkörnchen zurück, während
der leichtere Sand fortgeschwemmt wurde. Abends wurde die Felle in Wasserbehältern
ausgewaschen und aus den Wasserbehältern wurde das Gold mit kleinen Schüsseln
reingewaschen.
1377. Bis zu diesem Jahre verblieb die Gemeinde mit ihren sämtlichen
„Zugehörigen” beim Stift Velehrad, dann
ging das Dorf als Lehensgut an den schlesischen Adeligen Konil über; er ließ
sich als Besitzer unter „Kunil von Fogelssait” in die Jägerndorfer
Landtafel eintragen. Auch Kunil förderte den Bergbau und zog neue Ansiedler aus
der Glazer und Gottesberger Gegend hierher, um den Bergbau ergiebiger zu machen.
Die Zeit um 1400 soll die Blütezeit des Bergbaues in den Ortschaften Alt- und
Neuvogelseifen, Klein Mohrau und Dürrseifen gewesen sein; die geförderten
Metalle bildeten damals einen wichtigen Handelsartikel (W. v. Sovinec,
Berichts - Bergbuch Seite 18 ).
1402. ging das Dorf Alt-Vogelseifen mit allen „Zugehörigen”
an den Herzog Heinrich II,
Besitzer der Herrschaft Jägerndorf, über.
Der neue Herr kümmerte sich wenig um sein Herzogtum, zu dem jetzt auch
das ganze Freudenthaler Gebiet gehörte; er verbrachte seine Zeit mit glänzenden
Turnieren und Fehden. Das Gebiet Jägerndorf wurde schlecht verwaltet, Handel
und Gewerbe kamen ins Stocken, der Bergbau und die Goldwäscherei gingen immer
mehr zurück, ein Betrieb nach den anderen wurde stillgelegt.
1404.
Die seit dem
Jahre 1220 urkundlich erwähnte alte Heerstraße Sternberg - Braunseifen -
Nieder Wildgrub - Alt-Vogelseifen - Engelsberg nach Neiße und Breslau wird
hergerichtet, da ein großer Verkehr darauf herrschte. (Diarium
Jägerndorf).
1405.
In der Teilungsurkunde des Herzogtums Jägerndorf vom 1. Oktober erhält Herzog
Johann II. die östliche Stadthälfte von Freudenthal und die Dörfer:
Spillendorf, Messendorf, Kotzendorf, Stohl, Vogelseifen, Dürrseifen. (Urkunde im Archiv Breslau.)
1408.
erteilt
der Gutsherr Herzog Johann II. den Gemeinden seines gesamten Gutsgebietes Jägerndorf
- Freudenthal das „Erb - Anfallsrecht”. Die deutsche Übersetzung der
Urkunde lautet: Wenn jemand in meinen Städten und Dörfern ohne rechtmäßigen
Erben stürbe, so könnte er von nun an ein Testament machen und sein Besitztum
oder Vermögen fiele dann nicht mehr der Gutsherrschaft zu, wie es bis dato war.
Erst wenn kein Verwandter oder Freund gefunden würde, sollte das Vermögen an
die Gutsherrschaft fallen.
Dieses
„freie Vererbungsrecht” sollte jedenfalls neue Ansiedler herbeiziehen; denn
dessen fehlen schreckte viele, die sich im Jägerndorfer - Freudenthaler
Gutsgebiete niederlassen wollten ab.
1433.
verleiht Herzog Nikolaus V. als Grundherr allen Vögten und Erbrichtern
seiner Herrschaft Privilegien. Die Abschrift des Privilegiums über
Alt-Vogelseifen ist sehr beschädigt; sie enthält etwa folgendes = (privat -
Buch, Archiv Jägerndorf) Zum Erbgericht Alt-Vogelseifen e Huben Ackers, die
zweite Hube ist erkauft worden. Auch besitzt der Erbrichter das Recht zum Ausschänken
von Bier und Wein, er besitzt auch eine Mühle, eine Fleischerei, Bäckerei, hat
freies Jagdrecht im Gemeindegebiete und freie Schafweide im ganzen Gemeinde -
Rayone. Er erhält den dritten Pfennig von Strafen und Bußen in bürgerlichen
Sachen, die höhere peinliche Gerichtsbarkeit behält sich sie Gutsherrschaft
selbst vor. Er erhält auch von den Dorfuntertanen den Hunds - und Rückhafer,
da er bei großen Jagden für die Hunde und die Pferde des Grundherren zu sorgen
hat. Er war von den meisten Zins - und Zehentzahlungen an die Herrschaft
befreit, mußte jedoch die Grundzinse und andere Giebigkeiten an das Rendamt
nach Jägerndorf von den Dorfuntertanen
einfordern. Er hatte die Robotpflichtigen aus der Gemeinde bei der Robot auf den
herrschaftlichen Meierhöfen
anzustellen und bei der Arbeit zu überwachen.
1445
kam das Freudenthaler Gutsgebiet pfandweise an Heinrich
von Würben. Gutsherr von Goldstein, der dann auch das vollständige
Kaufrecht erwarb. Seit diesem Jahre gehörte das Dorf Alt-Vogelseifen zum
Gutsgebiet Freudenthal.
1471.
In den Kriege zwischen König Kasimir I. von Polen und König Matthias
Corvinius von Ungarn standen Joh. v. Würben auf Schloß Freudenthal
sowie Herzog Joh. v, Jägerndorf auf der Seite König Kasimirs.
Daraufhin überzog Matthias Corvinias
die Troppauer, Jägerndorfer und Freudenthaler Gutsgebiete mit seinen
rohen Söldnern. Dörfer und Städte hatten schwer unter den Plünderungen und
Brandstiftungen dieser ungarischen Truppen zu leiden. Die Ortschaften an der
alten Heerstraße Sternberg - Wildgrub - Alt-Vogelseifen - Engelsberg wurden größtenteils
vernichtet, die Einwohner mußten flüchten; die Bergwerks- und Goldwäschereibetriebe
kamen ganz zum Stillstand.
1492.
Aus diesem Jahre
stammt ein amtlicher Bericht über die Gemeinden des Herrschaftsgebietes
Freudenthal. (Archiv Ob. Langendorf.)
Darin heißt es:
In der Gemeinde Alt-Vogelseifen wird meistens Korn, Hafer, Gerste, Rüben
und Flachs angebaut, Hülsenfrüchte nur wenig. Wichtig ist hier vor allem die
Viehzucht. Abgesehen von den ausgedehnten Wiesen, Hutweiden, dem Grasreichtum
der Herrschaftlichen Holzschläge, werden durch die Art des Anbaues jedes Jahr
große Flächen für die Hutung frei; denn hier im Dorfe ist die
„Dreifelderwirtschaft” üblich. Ein Drittel des Bodens liegt als Brache,
denn nach zweijährigen Anbau von Korn, Hafer ruhte dann der Boden immer ein
Jahr. So konnte ein ziemlich großer Viehstand gehalten werden. Die Gemeinde
bestellte zur Wartung des Viehes einen eigenen Gemeindehirten und zahlte ihm
eine ziemlich bedeutende Summe; denn er hatte besonders zu Kriegszeiten ein
wichtiges, sehr verantwortungsvolles Amt: lag im doch die Sorge für einen großen
Teil des Eigentums der Dorfleute auf den Schultern. Die Gemeinde erbaute dem
Hirten auch ein Häuschen zur unentgeltlichen Benützung.
1504.
Der Gutsherr Bernhard
von Würben interessierte sehr für den Bergbau. Die alten Schächte bei
Engelsberg, Vogelseifen und Klein - Mohrau wurde wieder in Betrieb gesetzt.
Kleine Pächter mieteten die Zechen und betrieben den Bergbau nach den Regeln
des Freudenthaler Bergrechtes. Die von den Pächtern (Lohnträger) geförderten
Erze wurden im Beisein des Bergrates und eines Beamten der Herrschaft abgeschätzt
und an die Hüttenbesitzer verkauft. Aus den Schmelzöfen kam dann das Eisen in
die Eisenhämmer nach Klein - Mohrau, Neudörfel und Freudenthal, um dort
verarbeitet und in den Handel gebracht zu werden. (W. v. Covinec, Bergbuch d.
Herrsch. Freudenthal, S. 32)
1530.
Die Lehre Martin Luthers fing
an sich in den Gemeinden des Gutsbereiches Freudenthal einzubürgern, besonders
unter den Bergleuten fand sie viele Anhänger. Der Gutsherr Johann von Würben
trat zum Protestantismus über und förderte ihn mit reichlichen Geldmitteln auf
alle mögliche Weise. In einem Berichte aus dem Jahre
1531
(Archiv Ob. Langender) heißt es: „Anno Domini 1531 im
Monate Aprilii ist zu uns nach Freudenthal gekommen der berühmte lutherische
Praedikant und Wanderprediger Johannes
Angelus, aus Tachau gebürtig. Er wirkte sehr eifrig als Reformator und
Vorträger der Worte des Herrn und der heiligen Evangelii und er verwarf
durch seine Predigten die Berichte der heiligen Schrift nach alten katholischen
Grundsätzen. Er predigte auch in den Dörfern Wildgrub, Messendorf, Spillendorf
Altstadt sowie Alt-Vogelseifen und erregte durch seine Bibelkenntnisse und
Gewandtheit im Predigen überall helles Erstaunen. Die katholischen Pfarrer des
ganzen Freudenthaler Gutsgebietes beschwerten sich beim Cronistorium in Olmütz
gegen den Pastor Angelus, so daß er auf amtlichen Befehl
die Gegend verlassen mußte. „Er ging - doch es kamen andere.”
1554
- 56 wütete
im ganzen Gebiet die asiatische Beulenpest,
die sehr viele Opfer forderte. Auch löschte sie die Gemeinde
Alt-Vogelseifen mehr als zur Hälfte aus; die
Toten wurden außerhalb des Ortes in einem Massengrabe beerdigt. Aus der Gegend
um Schwednitz, Ottmachau, Glatz und
Neurode wurden neue Ansiedler herangezogen, um die Lücken in der Bevölkerung
wieder auszufüllen.
1564.
Es wurde ein
Gesetz erlassen, das die freie Ausübung des protestantischen Glaubens in Österreich
bestätigte. Nun traten fast alle Bewohner des Gutsgebietes Freudenthal zum
Protestantismus über, da niemand mehr Ursache hatte, seine religiöse Überzeugung
zu verleugnen. Die Pfarren Nieder Wildgrub und Alt-Vogelseifen wurden auf Befehl
des Gutsherrn mit evangelischen Pastoren besetzt. (Wolny - kirchl. Chronik 1565)
1584.
Der Protestantismus ist vollständig unter die Bewohner des Freudenthaler
Gutes gedrungen; der Gutsherr Heinrich von Würben gibt für seine
Untertanen eine Kirchenordnung heraus. diese drei Verordnungen wurden am 25. 10.
1584 und am 30.10.1592 herausgegeben. (Dekanatarchiv in Freudenthal).
1599 war Melchior Ludwig evang. Pfarrer in
Alt-Vogelseifen (Gutsarchiv Ober Langendorf).
1600.
In diesem Jahre war eine völlige Mißernte und große Teuerung trat ein.
der Scheffel ( 2 Metzen) Korn kostete 14 Gulden, der Scheffel Weizen 20 Gulden,
der Scheffel Hafer 8 Gulden. Die ärmere Bevölkerung mußte sich von Kleienbrot
und Kleiensuppen ernähren, Fichtenrinde wurde gedörrt, gemahlen und unter die
Kleie gemischt. Viele starben an Unterernährung.
1616. Vom Ölmützer Kardinal DITRICHSTEIN geleitet, begann die Gegenreformation. der Gutherr
Heinrich v. Würben auf
Schloß Freudenthal war um den Protestantismus in seinem Gutsgebiet sehr besorgt
und gab für die Gemeinden des Herrschaftsgebietes folgenden Erlaß heraus (Gutsarchiv
Ob. Langendorf):
Ich Heinrich von Würben, Gutsherr von Freudenthal und
Goldenstein, verspreche hiemit, meine Gutsuntertanen bei
der Augsburgerischen Confession, in welcher ich selbst von Jugend an
unterrichtet bin, getreulich zu erhalten, nur Geistliche dieses Glaubens
einzusetzen und ermahne zugleich alle Untertanen, dem Gottesdienste mit gebührender
Andacht beizuwohnen, vorzüglich an Sonn- und Feiertagen, und eifrig sein im Anhören
und Befolgen der göttlichen Worte. Wenn aber der Gottesdienst endigt, soll sich
jeder aller körperlichen Arbeiten und der Schankhäuser enthalten, und sich
keinem Trunke oder derer Zügellosigkeit ergeben, da sonst Strafen auferlegt
werden müßten.
Schloß Freudenthal, am St. Georgis
Tage 1616
L.
S. Heinrich von Würben
Doch
alle Erlässe konnten den Rückgang des Protestantismus nicht mehr aufhalten.
1620.
Nach der Schlacht am „Weißen Berge” ( 8. November) fühlte
sich Heinrich von Würben als Führer der schlesischen Protestanten nicht mehr
sicher. Er übergab die Herrschaft Freudenthal seinem Schwager Georg v. Würben
und floh.
1621 Da Heinrich v. Würben der Vorladung vor den
Gerichtshof nicht folge leistete, wird sein Vermögen, darunter auch das Gut
Freudenthal, eingezogen. Am 21. Juli erwirbt der damalige Hoch- und
Deutschmeister Erzherzog Karl
die Herrschaft Freudenthal durch Kauf um 200.000
Gulden als Kameral - Kommende des Ordens von seinem Bruder Kaiser
Ferdinand II.
Die
Hoch- und Deutschmeister ließen sich bei ihrer Abwesenheit von Freudenthal bis
zum Jahre 1820 durch einen daselbst amtenden Statthalter vertreten. Als erster
Statthalter wirkte Georg Wilhelm von Elkershausen, genannt „Klippel”.
1620.
Eine Eintragung im hiesigen Pfarr - Inventarium
besagt, daß in diesem Jahren bereits ein Kath. Pfarrer Sebald Franz
Weidenfeld die Seelsorge in Alt-Vogelseifen und in den Gemeinden Lichtewerden,
Engelsberg, Kl. Mohrau und Würbenthal ausübte. An diese Wege der Priester
erinnert der sog. „Pfaffensteig” gegen Wiedergrün zu.
1624.
Georg v, Elkershausen erließ sehr strenge Verordnungen zur Ausrottung
des Protestantismus. Eine aus diesem Jahre lautet: (Dekanatsarchiv Freudenthal)
„Weil der Religionsunterschied die Hauptursache der Empörung gewesen,
so sollen von nun an, in allen Gemeinden des Herrschaftsgebietes Freudenthal nur
katholische Geistliche ihres Amtes walten, kein anderer als der katholische
Glauben soll hiefür geduldet werden. Die Kirche wird zur Staatseinrichtung erklärt
und alle Herrschaftsrichter und Vögte unter strenges Kirchenrecht gestellt. Den
Vögten und Erbrichtern wird auch die Aufsicht über das religiöse Leben der
Ortsuntertanen zur strengsten Pflicht gemacht. Sie müssen genau darauf achten,
daß an Sonn- und Feiertagen die erwachsenen Untertanen zur Kirche gehen:
Diejenigen, welche zu spät in die Kirche kommen und die Kirche noch vor dem
Ende des Gottesdienstes verlassen, bekommen 6 - 8 Tage Gefängnis, ebenso
diejenigen, welche Sonntags während des Gottesdienstes im Wirtshaus
angetroffen. Die Ortsleute müssen zur österlichen Beicht gehen und wer ohne
Beicht von einem jähen Tode überrascht wird, erhält kein kirchliches Begräbnis.
Die Vögte und Erbrichter müssen strenge Hausdurchsuchungen vornehmen
und alle evangelischen Bücher und Schriften verbrennen. Der Schulunterricht muß
von würdigen, geprüften Lehrern nach streng katholischen
Regeln erteilt werden. Jeder muß katholisch werden und wer sich weigert,
wird seines Besitzes für verlustig erklärt und muß aus dem Gutsgebiete
auswandern.”
Schloß und Commenda
Freudenthal 10.1.1623 G. Klippel v. E
Statthalter.
1624.
Auf Befehl das Statthalter Klippel mußten am 26. Oktober
alle Pastoren im Gutsgebiete Freudenthal ihre Pfarrstellen verlassen, die sich
weigerten, wurden mit Militärgewalt entfernt.
1621
- 1626. Der dreißigjährige
Krieg machte sich nun auch im Gutsgebiete Freudenthal bemerkbar. Dänische und
schwedische Truppen trieben hier ihr Unwesen und plünderten oft ganze Dörfer
aus. Auch Wallachen, Kosaken, die im Dienste des Markgrafen von Jägerndorf
standen, verübten Exzesse. Pestartige Krankheiten brachen aus;
sie waren durch die fremden Krieger eingeschleppt worden. In Schlesien
sollen gegen 4000 Menschen daran gestorben sein.
Die Gemeinden Nieder Wildgrub, Alt-Vogelseifen, Engelsberg haben viel
unter Militärdurchzügen und Einquartierungen zu leiden. Auch in
Alt-Vogelseifen werden viele Ortsbewohner von Seuchen hinweggerafft.
1626
- 1628. Die
Durchmärsche dänischer und österreichischer Truppen dauern an, verbunden mit
Plünderungen und Brandschatzungen; die Kontributionen konnten von den verarmten
Ortsbewohnern kaum aufgebracht werden. hiezu kamen die vielen Vorspannfuhren;
die Fuhrleute blieben 2 - 3 Wochen aus, die Erntearbeiten mußten vernachlässigt
werden.
Ein Bericht aus jener Zeit besagt: „In den Ortschaften Nieder und Ober
Wildgrub, Alt-Vogelseifen sowie Engelsberg haben di k.k. Pechmann’schen Reiter
überaus großen Schaden angerichtet, ärger als dies von den allergrößten
Feinden, den Türken und Ungarn, jemals geschehen ist. Sie haben alles Getreide
verderbt und die meisten Roß und Wagen mitgenommen. Die meisten Bauern haben
jetzt kein Pferd, um ihre Äcker zu bestellen.” (Archiv
Ob. Langendorf)
1628.
Das Herrschaftsamt Freudenthal legt ein neues Urbarium (Grundbuch) an, in
das alle Leistungen der Gutsgemeinden an die Herrschaft eingetragen sind. die
Militär - Einquartierungen dauern an.
1629.
Die Durchmärsche lassen in diesem Jahre etwas nach.
Die
Straße Sternberg - Braunseifen - Wildgrub - Alt-Vogelseifen - Engelsberg - Neiße
- Breslau wird hergerichtet und amtlich als Poststraße erklärt. Zuerst ging
nur reitende, dann auch Fahrpost. Hierüber schreibt der Chronist Zeiler: „
Die Straße nach Braunseifen -
Engelsberg nach Neiße ist um das Jahr 1629 die meistbefahrene Straße nach
Breslau uns vermittelt den ganzen Postverkehr von Olmütz nach Breslau. Doch ist
sie nur von Sternberg bis Engelsberg in gutem Zustande, von dort bis Zuckmantel
ist sie nur ein tiefer, böser Weg in Gebirge und Hochwald. Und doch wird diese
Straße sehr viel gebrauchet von polnischen und Wiener sowie Brünner
und Olmützer Kaufleuten, welche Geschäftsreisen machen und oft Gefahren
ausgesetzt sind.
1632.
brachte wieder große Truppendurchmärsche. Alt-Vogelseifen erhielt
Einquartierungen von k. k. Traunschen Infanterieregimente am 1. und 2. Mai; am
3. Juni lagerten mehrere Companien vom k. k. Hardegg’schen Infanterieregimente
im Dorfe, am 16. Juni lagerten starke Abteilungen der Lichtensteinmusketiere im
Ortsgebiete, am 24, Juni ziehen die Lichtensteiner Dragoner durch, am 26. Juni
mehrere Companien eines Kroatenregimentes. Im September lagern
Dittrichstein’sche Infanteriekompanien
mehrere Tage in Alt-Vogelseifen und Wildgrub; was sie nicht verzehren, das
ruinieren sie. Am 20. November quartieren sich Polaken ein, rohe undisziplnierte
Truppen. Dies Jahr war ein schweres, Wie sollte da der Bauer Ruhe und Zeit
gewinnenfür seine Feldarbeit, wenn er von beständigen Militäreinquartierungen
aufs Schlimmste drangsaliert wird. Ängstlich richtet sich jeden Morgen sein
Blick auf die Straße, ob nicht wieder neue Scharen am Horizonte auftauchen. Wo
soll er da Lust und Freude zur Arbeit Schöpfen, wenn er sich nur für
durchziehende, plündernde Soldaten abplagen muß und überdies in steter Gefahr
für sein Leben, Haus und Hof schwebt? Viel ließen daher von dem vielen Elend
geknickt, die Felder unbebaut und Not und Teuerung nehmen zu. (Diarium
1629 - 32 Archiv Ob. Langendorf)
1633. Die erste Hälfte des Jahres brachte wieder
Truppendurchzüge und Einquartierungen k. k. Regimenter verbunden mit
Vorspanndiensten. In der Gemeinde Alt-Vogelseifen wollte schließlich niemand
mehr Vorspanndienste leisten, es ist nichts Seltenes, daß der Fuhrmann ohne
Pferde zurückkehrte. Die k. k. Reiter nahmen auch jedes taugliche Roß aus dem
Stalle und ließen ihr mageres, abgemattetes Roß dafür zurück, oder sie (
raubten) die Pferde überhaupt. Die Eigentümer erlitten dadurch großen
Schaden, da die Kriegsschäden damals vom Staate nur sehr gering vergütet
wurden. (Diarium Arch. Langendorf
1633)
Die
Pest forderte in Schlesien wieder viele Opfer.
1634. Immer wieder gab es bis in den Sommer hinein Durchmärsche
und Einquartierungen kaiserlicher Truppen. Im Juli mußten auch Hafer,
Heu und Stroh nach dem k. k. Magazin Freudenthal abgeliefert werden. Neue hohe
Kriegssteuern wurden eingehoben.
1636.
Ein Auszug aus dem Herschaffst - Urbarium (Archiv
Freudenthal) berichtet
über die Gemeinde Alt-Vogelseifen folgend:
Im Dorfe sind 45 Ansassen und diese leisten an Zins: 1 Thaler Robotgeld,
3 Groschen 6 Heller Wachtgeld, 3 Zinshühner und 10 Zinseier.
Die anderen Abgaben sind verschieden, je nach Größe des Besitzes.
Die
Ganz - Bauern ( 1 Hube ) zahlen: an Ackerzins 16 Groschen 10 Heller, an
Hafergeld 12 Groschen und 8 Stück Zinseier zum Gründonnerstage.
Im
Dorfe sind 8 Dreiviertel - Bauern und zahlen 12 Groschen 4 Heller Ackerzins, 9
Groschen Hafergeld und 6 Eier zum Gründonnerstage. Der Dreiviertel - Bauer
Georg Wanke, welcher noch ein Zustück von 10 bis 12 Scheffel Aussaat und
eine Wiese im „Sayfen” besitzt, zinkst jährlich 8 Thaler, ist aber sonst
„aller Beschwerung” frei (Forstmeister Gut ). Den 11. Juni 1636 Hans
Kloß von Lichtewerden dieses „Freigut” vom damaligen Inhaber,
dem Forstmeister Hans Zimmermann, mit allen Gerechtigkeiten und Befugnissen.
Dieser Käufer hat jedoch gleich anderen Freigütern den Aufzug zu
geben und dann jährlich 8 Thaler an das herrschaftliche Rendtamt zu entrichten.
Die 20
½ Bauern leisten jeder 8 Groschen 3 Heller Ackerzins, 6 Groschen Hafergeld und
6 Zinseier zum Gründonnerstage.
Die 6
¼ Bauern leisten die Hälfte der Leistung der ½ Bauern.
Die Groß
- Gärtner (1/8 Hube) Zinsen: 4
Groschen Ackerzins, 8 Groschen Hafergeld und 6 Eier zum Gründonnerstage.
Im
Dorfe sind 11 Gärtlerstellen. diese Zinsen 4 Groschen Gartenzins , 3 Groschen
Hafergeld und 2 Eier zum Gründonnerstage. Seit dem Jahre 1612 sind auch
4 neue Gärtner eingeschrieben. die von Häusern und Gärten jährlich 24
Groschen Zins zahlen.
Bei dem
Dorfe ist eine Kirche, nebst einem Pfarrhof, Schulhaus, Wiedemut und Kircheerbe,
welches der Schulmeister zum Nutzgenusse hat. Die Kirche, Pfarrhaus und Schulhaus samt deren Dienern
sind der Jurisdiktion und Freiheit unterworfen, wie die Kirchenordnung zu
Freudenthal ausweiset.
1637
- 1640.
Diese Jahre verliefen ruhig. Die Gemeinden das Herrschaftsgebietes
Freudenthal konnten sich erholen. Die Verrechnungen beim Rendtamte in
Freudenthal besagen: „Im Jahre 1637 wurde von den Ortsinsassen der Gemeinde Alt-Vogelseifen die
schon seit langer Zeit rückständigen Jahrgulden und Zinse voll und ganz
eingezahlt. Es ist auch beim hiesigen Rendtamte auch erklärt worden, daß die
dortigen Bauern und Gärtlerstellen noch Gott Lob in ziemlich gutem Zustande
sich befinden.”
1641
kommt wieder schwere Kriegszeit. Die Kriegführung nimmt,
da der schon sehr lange dauert, immer häßlichere Formen an bei der
steigenden Verwilderung der rohen Soldateska. Schwer drückt auch die
unterschiedlichen Kriegslasten: Ausrüstung von Rekruten, Transport - und
Vorspannfuhren auf die Bewohner des Freudenthaler Gutsgebietes.
Und
wieder gab es Durchmärsche von Fußvolk und Reitern verbunden mit der Mitnahme
von Pferden. den Schluß der Durchzüge in diesem Jahre bildeten lange
Proviantkolonnen am 15. August. (Diarium
Ob. Langendorf 1642.)
1642
drangen die Schweden unter Torstenson bis Freudenthal vor. In der
Gemeinde Alt-Vogelseifen wurden Nachtwachen aufgestellt, um das Dorf vor
unvermuteten schwedischen Plünderungen zu schützen. Auf den Bergen der
Umgebung wurden hohe Reisighaufen errichtet, um bei nächtlichem Herannahen des
Feindes entzündet zu werden und die Ortsleute vor Überrumpelung und nächtlicher
Plünderung zu schützen. Doch bis Oktober blieb die Gemeinde von Plünderung
verschont; die Schweden zogen meist auf der Strecke Jägerndorf - Freudenthal
nach Sternberg und Olmütz. Am 30. Oktober bekam das Dorf starke schwedische
Einquartierung, den Obristen Georg Host mit den Königmarkschen
Regimente. Am 31 Oktober zag das Regiment wieder ab, nachdem das Dorf
gründlich ausgeplündert worden war. Die Soldaten wollten auch einige Häuser
anzünden; nur vieles Bitten und größere Geldspenden konnten die verrohten Söldner
beschwichtigen. Zum Glück
war die Bevölkerung noch rechtzeitig von dem Kommen der gefürchteten Feinde
verständigt worden und der Gemeindehirte Josef Kümmel
trieb noch rechtzeitig das Vieh aus dem ganzen Dorfe in die nahen Waldungen; da waren die Herden vor Requirierungen
sicher. Das Vieh blieb so lange in den Wäldern, bis die Schweden wieder von
Freudenthal abzogen. (Diarium O.
Langend.)
1643.
Dies war das schlimmste Kriegsjahr für unsere Gemeinde im ganzen dreißigjährigen
Kriege. Am 11 Juni besetzte Torstenson abermals Freudenthal durch 6 Wochen. vom
15. Juni bis Oktober wurde unser Ort fortwährend von plündernden Schweden
heimgesucht. Die Ortsbewohner
flohen im Oktober in die nahen Wälder; wo sie sich wochenlang aufhielten. Als
sie wieder in die warmen Stuben zurückkehrten, starben viele an den erlittenen
Unbilden: Hunger, Kälte und ausgestandenen Schrecken. Anfang Oktober zogen die
Schweden von Freudenthal ab; eine kleine Abteilung blieb zurück und war im
Schlosse einquartiert.
1644. Die schwedische Besatzung in Freudenthal wird von
kaiserlichen Truppen unter dem hoch - und deutschm. Statthalter Oswald von
Lichtenstein vertrieben und das
Lichtenstein’sche Infanterieregiment besetzt die Stadt. Der Kommandant dieses
Regimentes Oberst v. Zirnikau hoben ebenfalls hohe Kontributionen ein; ärgere
hätten auch die Schweden nicht gefordert. Am 12. März bekam die Gemeinde
wieder Einlagerung von kaiserlichen Truppen unter Hauptmann von Kalenberg.
Diese kroatischen Soldaten ließen sich grobe Ausschreitungen zu schulden
kommen, Brutalitäten und Mißhandlungen von Ortsleuten waren an der
Tagesordnung. (Diarium
Ob. Langendorf 1644.)
Die Gemeinde sandte daher eine Bittschrift an den Statthalter des h. u.
d. Ritterordens in Freudenthal. Diese Bittschrift lautet: (Original
im Archiv Langendorf)
„ Wir Untertanen der Gutsgemeinde Alt-Vogelseifen beschweren uns
hiermit, wegen der übermäßig vielen
und gefährlichen Einquartierung der k. k. Soldaten vom Warasdin Regimente. Mit
tiefbetrübtem und schwerem Gemüthe müssen wir ohnehin verarmte Leuthe
nothgedrungen zu Ihnen Hochw. und gnädigsten Statthalter
unsere Zuflucht nehmen und Klagend vorbringen, wie unsere schwer
geprüfte Gemeinde von diesen disziplinlosen, rohen Kriegsvolke
heimgesucht wird. Schlägereien, Raufereien sind an der Tagesordnung. Der
Bewohnerschaft werden Kisten und Kasten gewaltsam aufgebrochen und alles ausgeplündert.
Es wird auch der arme Witwen und Waisen nicht geschont, deren Heulen und
Wehklagen einen Stein erbarmen möchte. Derwegen bitten wir recht untertänigst
in tiefster Demuth flehend, Euer Gnaden wollen als Beschützer der Armen, Witwen
und Waisen auch allergnädigst dahin
bedacht sein hier Mittel und Wege zu finden, wie wir schwer geprüften Einwohner
unseres Dorfes vor solch übermäßigen Belag fremder Kriegsvölker, aller
Sprachen und Nationen, wenigstens
Theilweise verschont blieben. Wir haben durch fortwährende Contributionen und
Naturallieferungen schon soviel abgegeben, daß wir mehrstentheils das liebe
Brot selbst nicht mehr im Hause haben und großen Hunger leiden müssen. Eure
Hochw. und Gnaden möchten für uns Fürsprache einlegen und wir wollen für
diese gnädige Gewährung uns stets sehr dankbar erweisen und für Eure Gnaden
um lang andauernde Gesundheit und noch vieljährige, glückselige Regierung zu
Gott dem Herrn recht inständig beten. Wir bitten daher nochmals in tiefster
Verehrung um ihren väterlichen Schutz.
Alt-Vogelseifen, den 4. Juli 1644
Johann Klos,
Erbrichter
Franz Fitz und Josef Thiel, Geschworene
„ Und alle in der Gemein - Groß und Klein”
Am 29.
und 30. August zogen mehrere Dragonereskadronen unter Meckel durch das Dorf; es mußten 12
Vorspannwagen bis nach Braunseifen beigestellt werden. Im November quartierten
sich eine Abteilung eines ungarischen Regimentes ein und blieben 8 Tage; vom 2.
- 4. Dezember lag eine Kompanie Musquetiere vom Lichtensteinregimente im Orte
und forderte Kontributionen ein.
1645.
Die
Gemeinde muß 15 Schanzarbeiter nach Freudenthal senden, im Juli werden 20 Mann
verlangt. Im Schlosse zu Freudenthal lagert Hauptmann Stößel mit
2 Kompanien vom Deutschmeisterregimente. Er hebt in den Gutsgemeinden sehr hohe
Kontributionen ein, da stärkere schwedische Abteilungen Freudenthal wieder
einschließen; doch die Besatzung wehrt sich diesmal tapfer und die Schweden
ziehen am 29. April wieder ins Lager nach Eulenberg zurück. Die Sommermonate
verliefen etwas ruhiger, nur von Römerstadt und Eulenberg kamen zeitweise
schwedische Abteilungen und requirierten Lebensmittel für die Mannschaft, sowie
Hafer und Heu für die Pferde. Auch wurden Pferde gestohlen und endlich kam es
so weit, daß die Proviantlieferungen nach Freudenthal
nur mit „Radscheiben” bewerkstelligt wurden; viele trugen Getreide
und Lebensmittel auf dem Rücken dorthin. (Diarium 1646 - Arch. Freudenthal)
1646.
Die Schweden
ziehen langsam über Sternberg - Hof - Troppau - nach Breslau zurück. Auf der
alten Heerstraße Braunseifen - Vogelseifen - Engelsberg marschieren nur kleiner
Abteilungen, denen Vorspann bis Neiße geleistet werden muß. Viele kamen ohne
Pferde wieder, da sie requiriert worden waren. Die Eigentümer erhielten vom
Staate 3 Thaler;; dafür war natürlich kein Pferd zu haben.
1647.
Dem Erbrichter Heinrich
Schmied werden die Privilegien vom Gutsherrn Erzherzog
Leopold Wilhelm, Hoch und Deutschmeister, erneuert und
erweitert. Wegen seines verantwortungsvollen Amtes wurde der Erbrichter am 3.
Juli vom H.u.D.Statthalter Osw. v. Lichtenstein neuerdings beeidigt.
Gleichzeitig wurde den Untertanen in Alt-Vogelseifen anbefohlen, dem Erbrichter
zu gehorchen und ihm bei „jetziger schwerer Arbeit an die Hand zu gehen.” (Tagebuch 1644 - Ob. Langendorf)
1648.
In
diesem Jahr wurden in Alt-Vogelseifen viele Käufe abgeschlossen. Es mußten über
amtlichen Befehl in der Gemeinde ein Gemainbuch angelegt werden, in dem alle
Eigentumsveränderungen sowie Verträge und Streitigkeiten eingetragen wurden.
Die Bezahlung bei Käufen geschah meist durch ein Angeld und die Jahrgulden
(Nachzahlungen); sie wurden gewöhnlich auf 20 bis 25
Jahre verteilt: Nach Bezahlung des letzten Jahrguldens erfolgte der
„Freispruch.”
In den damaligen Kaufakten liest man oft den amtlichen Ausdruck: „N. N
. hat noch 20 Thaler auf dem Kerbholz.” Dies sei folgend erklärt. Bei diesen
Käufen kam es oft vor, daß der Käufer weder lesen noch schreiben konnte. Der
geschriebene Kaufvertrag wurde in der Gemeindelade hinterlegt und der des Lesens
unkundige Käufer erhielt vom Gutsamte nach Abschluß des Kaufvertrages ein längliches
Brettchen ausgehändigt, „das Kerbholz”. Darin waren so viele Einschnitte
„Kerbe” gemacht, als noch Kaufthaler zu bezahlen waren. Dieses
„Kerbholz” wurde auch in der Gemeindelade verwahrt. Bei jeden Gerichtstag in
der Gemeinde (Jahresgeding) wurden soviel Kerben abgeschnitten, als der
Schuldner Thaler bezahlte. Hatte er alles abgezahlt, verbrannte man das
Brettchen und der Besitzer des nun schuldenfreien Anwesens bekam gutsamtlich ein
„grünes Reis „ ausgehändigt, das er oberhalb des Hoftores aufstecken
durfte. Zum Käufer aber, die mit dem Abzahlen der Jahrgulden säumig waren
kamen beim Gutsamte in Freudenthal in einen „üblen” Ruf, weil sie auf „
keinen grünen Zweig” kamen.
1648. Die lange Kriegszeit hatte nicht bloß den Wohlstand
des Gutsgebietes Freudenthal sehr untergraben sondern auch auf das Gemütsleben
der Bewohner sehr ungünstig eingewirkt. Der Bildungsgrad der Bevölkerung sank,
überall riß Verrohung der Sitten ein und eine bedenkliche Erschütterung des
Rechtsbewußtseins tritt zu Tage.
Eine
Notiz in einem alten Gerichtsbuche (Archiv Freudenthal) besagt:
„Die
fortwährenden Gewalttaten der in Freudenthal, Eulenburg und Jägerndorf
lagernden Soldaten verleiten auch manchen braven Untertan zu Raub und Diebstahl.
Auf der Straße Braunseifen - Vogelseifen - Engelsberg herrscht
solche Unsicherheit, daß fast kein ehrlicher Mensch reisen kann, denn er
muß sich fürchten, eine Beute der Wegelagerer zu werden. Besonders in den Hüttenwerken
bei Klein - Mohrau wohnt kein rechtschaffener Mensch; Dort sind lauter
verwegene, rohe Leute, Welche die Straße bei Alt-Vogelseifen - Engelsberg
direkt unsicher machen. Unweit des Ortsausganges Alt-Vogelseifen - Engelsberg
wurde sogar auf die Post - Couriere
geschossen und ein Raubanfall vorbereitet, der aber mißlang. Dem Georg
Englisch aus Wildgrub wurde zwischen Alt-Vogelseifen und Engelsberg ein
Pferd weggenommen und er erlitt einen Schaden von 8 Thalern. Von Freudenthal
aus wurden 50 bewaffnete Bürger nach Engelsberg kommandiert, welche die
Wälder durchstreifen mußten.
Am 28.
März wurde der dreißigjährige Krieg durch den Friedensschluß zu Münster
- Osnabrück beendet.
1650.
Ein Bericht aus diesem Jahre besagt: (Archiv Ob. Langendorf)
„Groß
ist in diesem Jahre die Not in allen Dörfern und Städten des Freudenthaler
Gutsgebietes, am meisten haben aber die Ortschaften gelitten, die an der Straße
liegen. Auf den Bauernhöfen sieht es sehr traurig aus. Auf den Feldern wächst
nur Unkraut, da die meisten Bauern mangels der Bespannung die Felder nicht
beackern können. Auf den Feldern wächst nur Unkraut, weil der Getreidesamen im
Frühjahre und Herbste auf die Stoppelfelder gestreut werden mußte, die nicht
aufgackert werden konnten. Meist haben nur 5 - 6 Bauern zusammen ein Pferd und das ist noch mager und
abgemattet. Wagen und Ackergeräte müssen auch von mehreren gemeinschaftlich
benützt werden. Auch mit der Kleidung sind die Leute sehr schlecht bestellt; in
den meisten Familien gibt es nur ein Paar Stiefel oder Schuhe und diese müssen
abwechselnd von den Familienmitgliedern getragen werden. Alle anderen mußten
zur rauhen Winterszeit rohe Leinwandhadern sich um die Beine packen und mit
Schnuren um die Füße festbinden.
1652.
In diesen Jahren sind alle Bewohner des Gutes Freudenthal so verarmt, daß die
Herrschaft Nachlaß der Abgaben gewähren mußte. Die Grundbücher weisen aus,
daß in den Gemeinden an den Straßen Sternberg - Neiße und Freudenthal - Jägerndorf
die Anwesen derart verschuldet sind, daß die Gutsherrschaft mit reichlichen
Geldmitteln helfend eingreifen muß; die Bauern und Gärtler hätten ihre
Besitze sonst nicht behaupten können. In unserem Orte stehen mehrere Häuser wüst,
deren Besitzer an ansteckenden Krankheiten verstorben sind. Es kostete die
Gutsherrschaft viel Mühe, neue Käufer zu finden, welche diese
wüsten Häuser für die darauf haftenden Schulden übernehmen. (Nach
einem Bericht aus dem Archiv Ob.
Langendorf )
1653. Um die große Not und Arbeitslosigkeit einigermaßen zu
lindern, ließ der H. u. D. Statthalter Joh. Kasp. v. Amringen unter der
umsichtigen Leitung des Hauskompturs Joh. Freih. v. Knörring das Schloß
in Freudenthal umbauen und renovieren; er errichtete auch ein Bräuhaus, eine
Branntweinbrennerei und ließ die Meierhöfe in Freudenthal und Altstadt neu
aufbauen. Die Robotuntertanen der Gutsgemeinden mußten Fuhren leisten,
Handwerker und Handlanger stellen und erhielten dafür eine kleine Vergütung.
1654.
Ein Bericht aus
diesem Jahre besagt: (Arch. Freudenthal - Rechtsbuch 1653 - 54)
„ Im
ganzen Freudenthaler Gutsgebiete sinkt infolge Noth und Entbehrung die Bevölkerung
immer tiefer in sittliche Verkommenheit.
Dies ist wieder der beste Nährboden für alle möglichen Aberglauben, Zauberei,
Vampyrunwesen und alle möglichen Hexereien, wodurch viel Schaden bei Mensch und
Vieh angerichtet werden. Ganze verlotterte Gesellschaften schließen sich
zusammen und führen ein flottes Leben in Fressen, Saufen, wüsten Tänzen zur
Nachtzeit mit gröblicher Unzucht verbunden. Diese nächtlichen Zusammenkünfte
finden am Peterstein statt, hoch oben im Altvatergebirge, um vor Störungen
sicher zu sein. Der Leiter dieser Zusammenkünfte ist der Dechant Lautner aus
Schönberg, früher Pfarrer in Nieder - Mohrau; deshalb nehmen viele Personen
aus Ober und Nieder - Mohrau, Wildgrub, Alt und Neu - Vogelseifen und Klein
Mohrau an diesen Zusammenkünften teil und es mußte das Straf - Verfahren gegen
sie eingeleitet werden, um Mensch und Vieh vor Unheil zu schützen.
1655.
Am 10. Juni wurde die hiesige Pfarrkirche zu Ehren des hl.
Johannes des Täufers konsekriert.
1656.
Der H. u. D.
Statthalter Kasp. - v. Ampringen erläßt strenge kirchliche
Verordnungen; das Luthertum wird mit Militärgewalt ausgerottet. Der
Jesuitenmissionar P: Angelus und
der Dominikaner P. Hartungh kamen damals auch nach Vogelseifen und hielten
in der Kirche Gottesdienst. Die Bewohner wurden gezwungen, zur Beichte und
Kommunion zu gehen. Viele Einwohner traten nur Äußerlich zum katholischen
Glauben über, innerlich blieben sie dem Protestantismus treu, besuchten in den
Wäldern die evangelischen „Busch Predigern,” ließen sich evangelisch
trauen und ihre Kinder evangelisch taufen. Die Bewohner mieden größtenteils
den Verkehr mit der katholischen Geistlichkeit; erst bis die Generation, welche
den 30jährigen Krieg miterlebte hat, ins Grab sinken wird, kann der
Katholizismus in der Gemeinde Alt-Vogelseifen seinen Einzug halten. (Nach
einen Bericht im Archiv Freudenthal)
1657.
Am 25. Juni fand
ein amtlicher Grenzgang in unserer Gemeinde statt;
Äcker
und Wiesen wurden von eine r amtlichen Kommission begangen, die Grenzsteine auf
ihren richtigen Stand geprüft, wo notwendig, neue Grenzsteine und Grenzbäume
gesetzt.
1664.
Wie
im ganzen Gutsbezirk Freudenthal so wurde in diesem Jahre auch in der Gemeinde
Alt-Vogelseifen auf amtlichen Befahl das „Wetterläuten” eingeführt. Ein
bezüglicher Bericht lautet: (Archiv
Ob. Langendorf)
„ Anno Domini 1664 den 18. Junius ist auch in der Gemeinde
Alt-Vogelseifen mit dem Glöckner Franz Kimmel ein Vertrag abgeschlossen worden und vom
Hochw. H. u, d. Statthalter Johannes Rau v. Holzhausen auch
bestätigt worden. Der Glöckner wird verpflichtet, daß, sobald ein „böses”
Gewitter aufzieht, er sofort dem Kirchturm zulaufen muß und dort Fleiß
anwenden beim Läuten, damit durch Gottes Allmacht und frommer Christen Gebet
das Unwetter dann gnädiglich abzöge
ohne Schaden zu nehmen. Der Glöckner erhält für dieses Wetterläuten von den
Gemeinden Alt - und Neu Vogelseifen in Summa jährlich 3 Gulden.”
1664.
war ein sehr strenger und langer Winter, es erfroren viele Leute. Im Mai
gab es noch Schlittenbahn bei tiefem Schnee.
1671.
Die Städte Freudenthal, Engelsberg und Würbenthal begannen das
Goldbergwerk bei Dürrseifen wieder zu betreiben. Der Betrieb währte bis 1742
1674.
In diesem Jahr ist nach amtlichen Berichten eine sehr gute Ernte zu
verzeichnen, die Preise für Lebensmittel sinken bedeutend. Auf dem Wochenmarkte in Freudenthal kostete damals
der Scheffel Hafer (= 2 Metzen) 50 Kreuzer. Der Scheffel Korn 56, Weizen 60
Kreuzer, ein Kloben Flachs brachte 15 und eine Klafter Brennholz nur 45 Kreuzer.
(Stadtarchiv
Freudenthal)
1679
- 80. Brach im
Gutsgebiete Freudenthal die Pest aus; es starben viele hundert Personen an
dieser Krankheit. Erst im Mai erlosch diese gefährliche Seuche. Der Sommer war
heiß und trocken, die meisten
Quellen und Bäche versiegten.
1682.
Sonntag
den 12. Mai tobte ein furchtbarer Sturm,
(Archiv Freudenthal)
der an Häusern und Wäldern schwerer Schaden anrichtete. Das Schindeldach
unserer Kirche wurde arg mitgenommen; durch freiwillige Spenden konnte der
schaden wieder behoben werden.
Der Türkengefahr wegen mußten sich auf amtlichen Befehl alle wehrfähigen
Männer der Gutsgemeinden am 23. Oktober im Schlosse zu Freudenthal melden. Sie
wurden durch 8 Tage im Waffengebrauch geübt, um im Notfalle von der Waffe
Gebrauch machen zu können. Jede Tanzmusik und lärmende Unterhaltung wurde
verboten; die Leute wurden zum fleißigen Kirchenbesuche ermahnt, um durch Gebet
die schwere Kriegsgefahr abzuwenden.
1694.
In diesem Jahre war eine völlige Mißernte und große Teuerung. Wie
schon früher, waren auch jetzt wieder Kleiensuppe und Kleienbrot mit gemahlener
Fichtenrinde vermischt die Hauptnahrung der ärmeren Leute.
1702.
Hexenglauben und
Vampyrunwesen treten im Gutsgebiete wieder auf. In altes Buch berichtet: (Rechtsbuch
18 Archiv Ob. Langendorf)
Im Jahre 1702 wurde Sabina Siebel auf dem Ortfriedhof in
Alt-Vogelseifen zur Ruhe bestattet. Der Sarg war so schwer, daß die Tote eine
Tochter des Müllers Johannes Siebel, kaum zu tragen war, obwohl die stärksten
Männer des Ortes als Träger fungierten. Sabina fand
im Grabe keine Ruhe, belästigte Menschen und Vieh, so daß ihre Verwandten
baten, man möge sie wieder ausgraben und verbrennen lassen. Auf Befehl der
Gutsobrigkeit wurde sodann Sabina Siebel ausgegraben und vom
Scharfrichter an der Wildgruber - Altstädter - Vogelseifer Grenze in ein Loch
geworfen, worin ungelöschter Kalk war, der dann mit Wasser übergossen wurde,
um den „angespeckten” Körper zu vernichten. die Kosten der Enterdigung und
Wiederbestattung betrugen 19 Thaler.
1703.
Die
Lebensmittel waren infolge der guten Ernten in den Jahren 1700 bis 1703 sehr
billig 1 Pfund Rindfleisch kostete 4 Kreuzer, Schweinefleisch 6 Kreuzer; ein
Laib Brot 6 Pfund kostete nur 15 Kreuzer.
1705.
wurden in ganz Schlesien gleichmäßige Maße und Gewichte eingeführt.
1706. am 12 August war eine totale
Sonnenfinsternis. Dabei wurde es am Mittag so finster, daß man am Tage Licht
anzünden mußte und die Sterne am Himmel leuchten sah.
1709 war ein sehr kalter Winter; er dauerte 136 Tage und
wurde der „eisige” Winter genannt.
1710. Die Pest tritt wieder in Freudenthal und Umgebung auf.
In Freudenthal, Ober- und
Nieder - Wildgrub, Altstadt, Alt und Neuvogelseifen sowie Spillendorf, die an
der Straße lagen, starb damals mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft,
darunter alle Geistlichen. Die „Pestsäule” in Freudenthal erinnert an diese
schwere Zeit.
1712.
Am
4. Juli wurden die Felder bei Wildgrub, Altstadt und Vogelseifen von einem
furchtbaren Hagelwetter verwüstet und große Teuerung trat ein.
1713.
Auch diese Jahr
war ein arges Mißjahr.Bis in den Monat Juni stand das Getreide sehr üppig;
doch am 28. Juni ließen sich massenhafte Heuschrecken schwärme nieder und fraßen
die Felder ganz kahl. (Tagebuch
Archiv Ob. Langendorf)
1720.
In diesem Jahre herrschte in den Monaten Jänner bis März eine ungeheure Kälte;
der Schnee lag in unserer Gegend klafterhoch. Noch am Ostersonntag (14. April)
fuhren die Bauern mit dem Schlitten in die Kirche. Die Frühjahrs - und
Sommerwitterung war sehr günstig, die Ernte war gut, die Lebensmittel sehr
billig. Es fanden große Rekrutenaushebungen statt.
1722.
wurden die ersten Erdäpfel in Spachendorf angebaut.
1723.
In diesem Jahre brachte der andauernde Krieg für die Gemeinden des Gutsamtes
Freudenthal große Militärdurchmärsche und Einquartierungen. Da unsere
Gemeinde an der Hauptstraße nach Breslau lag, hatte sie wieder schwer unter den
Contributionen zu leiden, welche die vielen einquartierten Soldaten der Gemeinde
auferlegten.
Wie ein Notschrei klingt die Bittschrift der Gemeinde an den H. u. D.
Statthalter Wilhelm v. Harstall. (7. August)
„Wir Untertanen der Gemeinde Alt-Vogelseifen sind allbereits in dem
dritten Monat mit fast unerträglichen, hohen Einquartierungen und
Contributionen überladen, daß wir dies hinfüro kaum länger erdulden können.
Es will auch noch keine Hoffnung aufkommen, daß wir von diesen schweren Lasten
in Bälde befreit würden. Wenn uns ganz verarmten Leuten noch längere Zeit
diese Einquartierungen und Contributionen sollten aufgebürdet werden, so möchte
dies die Einwohnerschaft an den Bettelstab bringen. Also gelangt hiermit an Eure
Hochw. unsere untertänigstes Bitten uns hilfreich beizustehen, daß wir von
solch übermäßigem Belag fremder Völker hinfüro mehr verschont blieben.
In tiefster Ehrfurcht zeichnen
1.
u. 2. Geschworenen
Martin Theuer, Erbrichter
Und alle
Untertanen der Gemeinde.
1731. In diesem Jahre wurden große Kriegszahlungen
abverlangt. Im Gutsgebiete Freudenthal wurde die Kaminsteuer neu eingeführt.
Dies war eine hohe Haussteuer, die gebraucht wurde, da die Kriege Riesensummen
verschlangen. Die Bewohner der Dorfgemeinden wollten anfangs diese hohe Steuer
nicht entrichten und das Rentamt in Freudenthal mußte mit den schärfsten
Mitteln vorgehen und Exekutionen einleiten, um die Dorfbewohner zum zahlen gefügig
zu machen.
1733
- 34. Russische
Hilfstruppen ziehen durch Alt-Vogelseifen und es muß ihnen Vorspann geleistet
werden, 1734 selten späte Ostern: 25. April.
1736.
war
ein sehr nasses Jahr; alles verfaulte auf den Felder.
1737.
Dieses
Jahr brachte eine völlige Mißernte und als deren Folge einen riesige Teuerung.
Wieder einmal waren Kleienbrot und Kleiensuppen die Hauptnahrung der ärmeren
Bevölkerung. Als Folge von Truppendurchzügen
(Reg - Warasdin) traten in der Umgebung Freudenthals
epidemische Krankheiten auf, denen viele Hunderte zum Opfer fielen. (Archiv Ob. Langendorf 1730 - 37)
1741
- 45. Diese Jahre
bringen unserer Gemeinde zahlreiche Durchzüge preußischer Truppen in den
schlesischen Kriegen und Einquartierungen.
1748.
IN DIESEM Jahre fällt die Einführung der Konventionsmünze. Im Herbste
traten in Schlesien große Heuschreckenschwärme auf; sie fraßen Felder und Gärten
kahl.
1757.
Dies war wieder ein Kriegsjahr mit preußischer Einquartierung und
Brandschatzungen des siebenjährigen Krieges.
1758
Durchmärsche und Kriegslasten ohne Ende. Unsere Gemeinde
hatte schon im Jänner schwer unter Einquartierungen zu leiden, Futtermittel mußten
in K. u. k. Magazin nach Freudenthal geliefert werden. Da man in diesem Jahre
stark Rekrutierte und Pferde - Assentierungen abhielt, waren die Bauern
aus den Gutsdörfern der Umgebung sehr besorgt um ihre Pferde; sie führten
darum die Lieferungen mit der „Radscheibe” nach Freudenthal.
Am 2. Jänner quartierten sich polnische Ulanen ein, am 26. zog ein
ungarisches Husarenregiment durch das Dorf, vom 27. - 28. das
Deutschmeisterregimente. Allen diesen Truppen mußte Vorspann beigestellt
werden, Lebensmittel geliefert. Heu, Hafer und Stroh wurde requiriert in einer
Weise, daß es einer feindlichen Plünderung ähnlich sah.
Im März zog das Warasdin - Grenzerregiment. durch unser Dorf, im April Württemberg
- Dragoner, Anfangs Mai bayrische Hilfstruppen. Am 1. Mai stand die preußische
Hauptmacht in Troppau, schon am 4. Mai wurde Olmütz belagert. Nun begann für
die Orte an der Hauptstraße nach Olmütz eine leidenvolle Zeit. Große
Kontributionen wurden von den
durchziehenden preußischen Truppen eingehoben mit rücksichtsloser Härte und
militärischer Gewalt. Die preußischen Nachschübe gingen meist über Neiße -
Engelsberg - Alt-Vogelseifen - nach Sternberg und Olmütz.
Nach dem Überfalle General Laudons auf die preußische
Wagenkolonne bei Domstadtl gab Friedrich der II. die Belagerung von Olmütz
auf und zog nach Böhmen. Die Bevölkerung Schlesiens atmete erleichtert auf,
denn die Truppendurchzüge und Einquartierungen ließen jetzt nach.
Während lange andauernde Kriegszeiten immer große Teuerung im Gefolge
hat, zeigte das Jahr.
1759.
ganz wider Erwarten eine günstige Ernte und eine Verbilligung der
Lebensmittel. Es kostete: 1 Pfund Rindfleisch 4 Kreuzer Schweinefleisch 5
Kreuzer und ein Brot 6 Pfund schwer
nur 15 Kreuzer. Tagebuch
Ob. Langendorf.)
1760.
Der Krieg zog sich wieder nach Preußisch - Schlesien. Die
Gutsgemeinden Freudenthals mußten viele Transport - Vorspannfuhren nach Jägerndorf,
Neiße, Glatz bis Habelschwerdt leisten, die Fuhrleute blieben oft 3 Wochen lang
aus; Anbau - und Erntearbeiten mußten vernachlässigt werden.
1765.
In
diesem Jahre gab das Gutamt Freudenthal neue Robotverordnungen heraus. Eine
solche Robotverordnung lautet.
Die robotpflichtigen Untertanen müssen zur Frühjahrs - Sommer - und
Herbstzeit die Ackerarbeiten auf den gutsherrlichen Meierhöfen zu Altstadt und
Freudenthal mitverrichten helfen, zur Winterzeit Getreide ausdreschen und das
Getreide dann in die Speicher und Bräuhäuser führen.
Beim dreschen bekommen die robotpflichtigen Untertanen „ den 16.
Scheffel in Korn” als Ordinari Drescherlohn. Bei Schloßbauten, Meierhofbauten
und Reparaturen an herrschaftlichen Gebäuden müssen die angeforderten Roboter
auch Handwerkerdienste, wie Maurer, Zimmerer und Handlangerarbeiten verrichten,
die geschlagenen Klötzer aus den h. u. d. Revieren in die herrschaftlichen Sägen
zu führen und erhalten dann Fuhrlohn pro Tag für 2 Pferde 1 Gulden 20 Kreuzer.
Auch das Deputatholz für die Beamten müssen die Roboter schlagen und führen;
Schlagerlohn pro Klafter 7 Kreuzer - Fuhrlohn
6 Kreuzer pro Klafter. Bei Jagden müssen alle angeforderten Roboter als
Treiber erscheinen, wo und wann sie gebraucht werden. Auch die Weiber der
Robotpflichtigen müssen im Schloßgarten zu Freudenthal die Gartenarbeiten
verrichten helfen und pünktlich erscheinen, wo sie gebraucht werden.
Schloß Freudenthal, am 3. Aprilis 1765.
L. S. Fr. F. v
Wildenstein, Statthalter.
1768.
Anhaltende
Regengüsse und Wolkenbrüche in ganz Schlesien.
1770.
Wie
im ganzen Gutsgebiete so wurde auch in unserem Dorfe die Häusernummerierung
durchgeführt. Ferner wurde für das Gutsgebiet eine neue Mappe und
Parzellenbuch angelegt. Da hierin alle Grundstücke nach Lage und Größe
verzeichnet waren, hörten die uralten amtlichen Grenzgänge von nun an auf.
1771
- 72.
Ganz Schlesien wurde in diesen Jahren von großer Teuerung, von
Hungersnot und ansteckenden Krankheiten heimgesucht.
1775.
Die Ernte war in diesem Jahre sehr gut, die Lebensmittelpreise niedrig.
Man zahlte für ein Brot, 6 Pfund schwer, aus gutem Roggenmehl, 15 Kreuzer, für
1 Pfund Rindfleisch 4 Kreuzer, für eine Maß Bier 3 Kreuzer für eine Maß
abgeführt werden.
Die
Teuerung nimmt zu; im Dezember kostete ein Scheffel Weizen schon 50 Gulden, ein
Scheffel Korn 40 Gulden.
1808.
Wie
im ganzen Reiche wurde im Oktober auch im Gutsgebiete Freudenthal die neue Heeresordnung
eingeführt: Die Errichtung der
Landwehr und der Reserve. In Freudenthal wurden 2 Kompanien zu je 4 Zügen
aufgestellt. Die Gemeinde Alt - und Neu - Vogelseifen gehörten zum Engelsberger
Zug und mußten 2/3 der Ausrüstungskosten für die aus den Gemeinden
Rekrutierten zahlen. (Tagebuch
Freudenthal)
1809.
Am 1. März rückte diese Mannschaft von Freudenthal nach Troppau ab.
1810.
Da sich großer Geldmangel fühlbar machte, wurde durch ein kais. Patent vom 15.
Jänner die Einziehung aller Gold - und Silbergeräte angeordnet
1811.
Die Bankozettel sanken immer mehr im Werte und endlich wurde ihr Wert auf ein Fünftel
des Nennwertes durch das kais. Finanzpatent vom 20. Februar herabgesetzt. das
war der Staatsbankrott.
Am 23.
April wurde der Grundstein zu der Pfarrkirche gelegt.
1812.
In diesem Jahre wird von riesiger Teuerung erzählt. Im Jänner kostete
je ein Metzen Weizen 50 Gulden, Gerste 32 Gulden, Hafer 20 Gulden, 1 Zentner Heu
25 Gulden, 1 Pfund Butter 3 Gulden, 1 Pfund Fleisch 50 - 80 Kreuzer.
Am 11. Oktober wurde die neuerbaute Pfarrkirche eingeweiht.
1817. war abermals eine arge Teuerung. Der zu jener Zeit hier
wohnende Häusler August Schindler Nr. 49 schreibt, daß „ eine
Not war unter Mensch und Vieh, kein Arbeit und kein Handlung ging”.
Im März kostete das Viertel Korn 16 Gulden, Gerste 12 Gulden, der
Scheffel Haber 20 Gulden, das Masel Weizenmehl 1 Gulden 20 Kronen. Die Ernte war
aber gut. der Preis für das Viertel Korn sank auf 5 Gulden, Gerste auf 4
Gulden, 1 Masel Weizenmehl kostete nur 32 Kreuzer. A. Sch. klagt über
hohe Steuern.
1822.
Am 25. November wurde unser Dorf von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht.
Zu dieser Zeit war noch schönes Herbstwetter und viele Bewohner waren mit
Feldarbeit beschäftigt. Gerade an diesem Tage herrschte in der ganzen Umgebung
ein heftiger Sturm.
Gegen ½ 1 Uhr nachmittags brach im Hause Nr. 4 aus unbekannter Ursache
ein Brand aus. Der Sturm übertrug brennende Holzstücke und Stroh auf die
Nachbarhäuser. In kurzer Zeit standen die Gehöfte Nr. 3 und 2,
die Erbrichterei und die Pfarrkirche in hellen flammen. der ganze
Dachstuhl der Kirche brannte ab und die Glocken schmolzen von der ungeheuren
Hitze. Obwohl Leute aus der Gemeinde und aus der Umgebung rasch zur Hilfe
herbeieilten, vermochten sie nur das Vieh und wenige Einrichtungsgegenstände zu
retten. Da zu jener zeit die meisten Gebäude aus Holz errichtet
und nur mit Schindeln, meist jedoch mit Stroh gedeckt waren, verbreitete
sich das Feuer mit rasender Schnelligkeit. Während die Bewohner des
Niederdorfes zu Hilfe eilten, hatten brennende Holz - und Strohreste ihre
eigenen Häuser in Brand gesteckt und die auf Rettung anderer bedachten Personen
fanden ihr Heim und alle ihre Habe in hellen Flammen. Durch diese Feuersbrunst
wurden die Häuser Nr. 4, 3, 2, 1, die Kirche, 83, 100, (auf dem Niedererb
stehend) 81, 80, 78, 77, 76, 75, das
Brechhaus von Nr. 73, zuletzt erst die Pfarrscheuer, 88, 87, 39, 40, 41, 42
und 97 eingeäschert.
Im Orte gab es damals noch keine Feuerwehr und keine Feuerspritze. Aus
Engelsberg, Dürrseifen und Freudenthal eilten Bewohner mit ihren Feuerspritzen
zu Hilfe, doch vermochten sie des Sturmes und Wassermangels halber nur wenig
auszurichten.
Namenloses Unglück war über die hiesigen Bewohner hereingebrochen; denn
außer den Gebäuden war auch die Ernte an Getreide und Futtermitteln verbrannt,
Kleider und Einrichtungsstücke vernichtet - und zu jener Zeit bestand noch
keine Versicherungsanstalten. Die Unglücklichen waren auf die Hilfe edler
Menschen angewiesen.
Durch eine unparteiische Kommission wurde der verursachte Schaden
untersucht und mit 96.663 Gulden aufgenommen.
Damals haben die Bewohner unseres Dorfes gelobt, zur Erinnerung an dieses
Unglück den Montag vor dem ersten Adventsonntage wie einen Feiertag für
immerwährende Zeiten zu heiligen.
1829
war ein ungünstiges Erntejahr. Durch die anhaltenden Regengüsse
verzögert, konnte der Anbau erst im Juni beendet werden. Der Hafer wurde nicht
mehr reif, da am 12. Oktober fester Winter eintrat und der Schnee 3 Fuß hoch
liegen blieb. die meisten Erdäpfel, Kraut und Rüben verblieben auf den
Feldern.
1845
- 46 - 47 waren
drei böse Mißjahre mit großer Teuerung und Not. Das Betteln wurde zur
Landplage und ganze Scharen hungriger Bettler zogen auf der Landstraße und belästigten
jedes Haus.
Im Jahre 1847 brannten die Häuser Nr. 83 und 100
des Johann Jahn und Theodor Frank nieder.
1848. Über Antrag Hans Kudlichs wurde die Robot
aufgehoben. Auch hier wurde eine National - Garde gebildet; sie hatte aber keine
lange Dauer.
1850
Das Herrschaftsamt Freudenthal wird aufgelassen, dagegen
am 1. Juli eine k. u. k. Bezirkshauptmannschaft, ein Bezirksgericht und ein
Steueramt errichtet.
Nach dem neuen Gesetze wurde im Juli das erste Mal ein Gemeindevorsteher,
2 Räte und 9 Ausschußmitglieder
gewählt. Der Erste gewählte Vorsteher war Franz Kneifel.
1851. am 25. August ging ein Wolkenbruch verbunden mit
Gagelschlag im Gemeindegebiet nieder und verursachte eine Überschwemmung. Bei
der Straßenbrücke wurde ein Haus von den Fluten mitgerissen, das
zerschlagene Getreide mußte zusammengerecht werden.
(Mitgeteilt von Frl. Anna Grabner.)
1855. Die Fruhjahrsmonate waren schön. In der Kornblüte
traten jedoch noch starke Schneefälle ein, sodaß von dem Schneemassen die Blüte
abgestreift wurde, das Korn schüttete keine Körner.
1858.
Bis zum 5. Juli ging kein Regen nieder, es trat großer Wassermangel ein,
die Quellen versiegten, die Bäche vertrockneten. Der Zentner Heu kostete 6
Gulden und eine Kuh, die im Frühjahre 70 Gulden wert war, mußte im November um
25 Gulden verkauft werden.
1866.
In dem Kriege kamen nur kleine preußische Streifscharen in unser Dorf.
In diesem Jahre brannte das Haus Nr. 93 des Ferdinand Schaffer nieder.
1870.
Um
dieses Jahr kamen die ersten Petroleumlampen in unsere Gemeinde in Gebrauch. Die
jetzt 85 jährige Amalie Grabner
erzählte, daß es um das Jahr 1860 noch keine Petroleumlampen in unserem Dorfe
gab, in Bauernhäusern wurde mit Kienspänen, sonst mit Öllämpchen geleuchtet.
1871
- 74. Während
dieser Jahre wurde die Eisenbahnstrecke Olmütz - Freudenthal - Jägerndorf
erbaut. Im Dorfe Erkrankungen an echten Blattern.
1875.
In Alt-Vogelseifen wurde eine Postexpedition errichtet; sie wurde von dem
Kaufmanne und Gemeindeschriftführer Alois Grabner versehen.
Seine
Tochter, die bereits erwähnte Amalia Grabner , erzählte, daß die
Postsendungen vorher von einer Botin zweimal wöchentlich aus Freudenthal geholt
und ausgetragen wurde. Später brachte der Mohrauer Postwagen die Postsendungen
und nahm auf dem Rückwege solche wieder mit. Für das Zustellen von
Briefen waren 2 Kreuzer, von Karten 1 Kreuzer zu bezahlen. Für das ganze Dorf
seien nur 3 - 4 Zeitungen bestellt gewesen.
1873.
In
diesem Jahre wurde die durch unser Dorf führende Bezirksstraße gebaut.
Die Gemeinde trat den benötigten öffentlichen Grund unentgeltlich ab.
1874.
wurden die metrischen Maße und Gewichte eingeführt. Anfang Juli
war ein Komet sichtbar. Die Ernte war gut.
1878.
brannten Wohnhaus und Scheuer Nr. 3 des Florian Gröger
nieder.
1880.
Die
aus Gemeindemitteln angekaufte Turmuhr wird das erste Mal in Gang gesetzt. Die
Uhr wurde später vom Hochmeister um 360 Gulden abgelöst. Wohnhaus und Scheuer
Nr. 35 brannte ab, Besitzer D. Scheibel.
1881.
Am 17. Juni brannte das Schulgebäude nieder. Die Brandursache konnte
nicht festgestellt werden.
1883.
wurde das Haus Nr. 18 durch Blitzschlag eingeäschert; Besitzer Josef Kneifel.
1885.
Am 16. Mai trat starker Schneefall und es herrschte arger
Sturm. Besonders unter den Kindern traten die „schwarzen Blattern” auf;
eine erwachsene Person starb daran.
1887.
In diesem Jahre wurde die Bezirksstraße Alt-Vogelseifen - Lichtwerden
gebaut.
1889.
Diese Jahr wird als ein sehr „dürres” Jahr beschrieben. Es wuchs
wenig Futter, die Ernte war sehr früh.
1890.
Der schadhaft Turmknopf wurde durch einen neuen ersetzt. Der neue
Turmknopf enthält in einer verlöteten Blechkapsel eine Denkschrift über
die zu jener Zeit herrschenden Zeitumstände
und die damals geltenden kupfernen
uns silbernen Scheidemünzen.
1891.
wird als ein ganz
besonders nasses Jahr geschilder; es hat den ganzen Juli bis 10. August
geregnet, und es verfaulte viel Heu.
1893.
Am 1. Juni wurde das neuerrichtete Postamt eröffnet.
1894.
Die Pfarrkirche wird renoviert und die i. J. 1814 eingebaute Orgel durch
eine neue ersetzt.
1894
- 95
wurde die Erbrichterei zerstückelt und verkauft.
1896.
war ein
sehr nasses Jahr, es viel Korn ausgewachsen. Das Wohnhaus Nr. 39 des Eduard
Springer durch Blitzschlag nieder.
1897.
Am 1. Juli schlug der Blitz in den Kirchturm der Pfarrkirche, ohne jedoch
zu zünden.. An der Turmuhr, an der Orgel, an den Gewölben und Bildern wurde
aber beträchtlicher Schaden angerichtet.
1898
-99. wurde
die Straße Alt-Vogelseifen - Wiedergrün durch den Bezirksstraßenausschuß
Freudenthal gebaut.
1901. Am 31. Mai wurde die Lokalbahn
Freudenthal - Klein - Mohrau eröffnet. Gelegentlich der Verhandlungen zu
diesem Bahnbau hatte sich unsere Gemeinde durch Sitzungsbeschluß am 30. 1. 1897
zu einer Beitragsleistung von 2.000 Gulden verpflichtet, wenn in Alt-Vogelseifen
(in der Nähe des sog. „Haselbüschels”) eine Halte und Ladestelle errichtet
würde. Die Strecke wurde dann aber anders gelegt.
1903.
Im
Juli dieses Jahreswerden aus fast ganz Schlesien furchtbare
Hochwasserkatastrophen gemeldet. Am 19. Juli richtete ein sehr arges Hagelwetter
großen Schaden an.
1904
wird als ein ungemein trockenes Jahr beschrieben. Das
Gerätehaus der Feuerwehr wurde in diesem Jahre erbaut.
1905
- o6.
Am Pfingstmontag 1905 wurde der Grundstein zu der neuen Schule gelegt, da
das alte in keiner Weise mehr als
solches entsprach. Der Aufwand belief sich auf 42.000 Kronen Zu diesem Bau - und
Einrichtungskosten gewährte der schles.Landtag eine Subvention von 9.400 Kr.,
der Hochmeister Erzherzog Eugen einen Betrag von 1.000 Kronen. Die Durchführung
des Baues war an Baumeister Adolf Rieger, Bennisch vergeben worden. Am 8.
September 1906 wurde die neue Schule eingeweiht und
mit Beginn des neuen Schuljahres bezogen.
Mit Beginn des Schuljahres 1906/7 wurde die bis nun einklassige
Volksschule zur zweiklassigen erweitert.
In diesem Jahre wurde die „Breyer” Mühle abermals durch Feuer zerstört;
sie war am 26 Juli 1904 schon einmal niedergebrannt.
Am 2. August ging ein Hagelwetter über dem Gemeindegebiet nieder.
1910. Ein für die Gemeinde gegründetes Konsortium kaufte
eine Dampf - Dreschmaschine.
1911
wird als ein sehr trockenes Jahr genannt. in diesem Jahre wurde die Außenseite
der Pfarrkirche hergerichtet.
1912 wieder war ein sehr nasses Jahr; es wuchs viel Futter
und Getreide. Das Haus Nr. 67 des Johann Groß brannte nieder.
1913. Das Jahr wird als sehr fruchtbar gelobt, die Ernte war
sehr spät.
1914. Nach längeren Vorarbeiten wurde in der Sitzung des
Gemeindeausschusses am 10. Juli 1914 im Beisein eines Vertreters des
Landesbauamtes der Trinkwasserleitungs - Bau an die nordböhmischen Wasserbau -
A. G. in Aussig vergeben. Der tatsächliche Bauaufwand stellte sich auf 71.421
Kronen. Der schlesische Landtag bewilligte für den Bau der Wasserleitung zwei
Subventionen von zusammen 11.300 Kronen, als Staatssubvention wurden 10 % das
Bauaufwandes zugesichert. Durch den inzwischen ausgebrochenen Krieges etwas verzögert,
fand in der 1. Jahreshälfte 1915 die amtliche Übergabe der Wasserleitung
statt.
Der
Weltkrieg.
Sonntag den 29. Juli 1914 wurde die Kriegserklärung in der Gemeinde
bekannt. Ein Hornist der Feuerwehr ging durch das Dorf und blies Alarm. Hatten
sich Bewohner angesammelt, wurde ihnen der Mobilisierungsbefehl vorgelesen; die
Anschlagtafeln trugen die gleiche Kundmachung. Alle Reservesoldaten der jüngeren
Jahrgänge hatten sich binnen kurzer Frist bei ihrem Truppenkörper zu stellen;
mit der fortschreitenden Kriegsdauer wurden auch die älteren einberufen. Die
meisten der Einberufenen rückten wohl nur schweren Herzens ein; nur wenige
Unerfahrene freuten sich auf Abenteuer. Ganz allgemein war die Hoffnung auf
einen baldigen Ausgang des Krieges, spätestens vor Winterbeginn. die Angehörigen
der Eingerückten erhielten staatliche Unterhaltsbeiträge durch die Steuerämter
angewiesen.
Die Hoffnung auf ein frühes Kriegsende wurde jedoch bitter enttäuscht.
Der große Verbrauch der Armee und die erschwerte Einfuhr von Rohstoffen und
Nahrungsmittel zwang die Regierung zu einschneidenden Maßnahmen. Um den Vorräten
das Auslangen zu finden, durften die wichtigsten Nahrungsmittel, ferner Seifen,
Kerzen, Petroleum, Tabak und Tabakerzeugnisse nur in den von der Regierung je
Kopf bestimmte Mengen gegen Kartenausweise verkauft werden. Es gab solche Karten
zum Bezuge von Brot, Mehl, Fleisch Fett, Butter, Milch Tabak und = Sorten,
Seife, Petroleum, Kerzen; In den letzten Kriegsjahren mußten natürlich
allerhand „Ersatz” - Stoffe herhalten; da ließ auch schon die Verpflegung
der Soldaten aber sehr viel zu wünschen übrig. Mit der Dauer des Krieges stieg
die Teuerung. Wohl wurde von der Regierung Höchstpreise bestimmt; sie wurden
aber oft, auch von Käufer, überschritten. Auf das Dorf heraus kamen viele Städter,
um Lebensmittel nicht nur zu Kaufen, sondern auch gegen Kleidungsstücke,
Stoffe, Rauchwaren und dergleichen einzutauschen. Unsere Landwirte mußten sich
Anbau und Ernteaufnahmen unterziehen; Vorradsaufnahmen wurden, oft unter militärischer
Bedeckung, durchgeführt. Oft wurde die Mühle nach verheimlichten Getreide oder
Mahlprodukten durchsucht, da auch die Bauern nur eine bestimmte Getreidemenge für
jedes Mitglied ihres Haushaltes vermahlen lassen durften.
Mit der Zeit und durch den großen Verbrauch bedingt, machte sich Mangel
an Metallen für die Kriegsindustrie bemerkbar. Dem abzuhelfen wurden
Kriegsmetall - Sammlungen veranstaltet. Man ging an die Beschlagnahme von Kupfer
= und Messinggeräten in den Haushalten, an die Abnahme der Glocken. Von den
drei Glocken unserer Kirche wurden die große und die kleine am 24, August 1916
abgenommen und fortgeführt. Zum Teile wurden sogar die Ableitungskabel der
Blitzableiter zur Ablieferung gebracht.
Um die Verluste an Toten und Verwundeten zu ersetzen, mußten sich auch
die seinerzeit Untauglichen und die Landsturmpflichtigen vom 18. Lebensjahre an
„Musterungskommissionen” vorstellen. Während des Krieges fanden 18 solcher
„Musterungen” statt.
Die Kriegführung erforderte ungeheure Geldsummen. Schon im November 1914
wurde zur Zeichnung der I. Kriegsanleihe aufgefordert. Ihr folgte in den Jahren
1915 die II. und III. 1916 die IV. und V.; 1917 die VI. und VII. und im Frühjahre
1918 die VIII. Kriegsanleihe. Die Verzinsung war günstig und mancher legte
einen großen Teil seines Vermögens in Kriegsanleihen an. Aus Gemeindemitteln
und durch Belehnung hatte die Gemeinde 16.ooo Kriegsanleihe gezeichnet.
Bald nach Kriegsanfang kamen die ersten Trauerbotschaften über Gefallene
aus unserer Gemeinde. Der erste Tote war
Berthold Adolf, er fiel am 21.9.1914.
Insgesamt
waren aus unserer Gemeinde 89 Männer und Jünglinge zur Kriegsdienstleistung
einberufen worden; 19 von ihnen kehrten nicht mehr heim, 7 starben im
Hinterlande an Kriegsleiden.
Den Kriegstoten zum Gedächtnis
wurde am 12. September 1920 ein
Kriegerdenkmal
enthüllt. Es trägt neben den Bildern der Toten folgende Inschrift
1914 --
1918
|
Berthold
Adolf
|
gef.
21. 9.14
|
|
Josef
Ludwig
|
+
4.11.15
|
|
Gröger Josef
|
gef. 22.10.14
|
|
Springer Wilh.
|
+ 14. 3.16
|
|
Philipp
Robert
|
gef. 1.11. 14
|
|
Teibner Karl
|
+ 30. 3.16
|
|
Schulmeister
Joh.
|
gef. 12. 3.15
|
|
Springer Herm.
|
+ 26. 6.16
|
Kneifel Josef
|
gef. 3. 5. 15
|
|
Schinzel
Adolf
|
+ 2.11.16
|
|
Springer
August
|
gef. 13. 6.15
|
|
Nitsche Franz
|
+ 20.12.16
|
|
Rotter Adolf
|
gef. 13. 6.15
|
|
Springer Aug.
|
+ 16. 9. 17
|
|
Breyer Otto
|
gef. 13. 6.15
|
|
Fitz Franz
|
+ 13. 2.18
|
|
Ludwig Johann
|
gef. 16. 6.15
|
|
Schilder
Franz
|
+ 20. 6.18
|
|
Kneifel Josef
|
gef. 23. 6.15
|
|
Breyer Guido
|
+ 26.10.18
|
|
|
|
|
Johann Jahn
|
+ 16.11.18
|
Vermißte:
Josef
WenzelFranz Schmid
August
Groß
Franz Rotter
Wilhelm
Klos
Viele der Einberufene waren verwundet worden, mache sogar einige Male,
mehrere litten ihr Leben lang an den Folgen der Verwundungen. Schlimm traf es
jene, die in Gefangenschaft geraten waren; einige konnten erst nach Kriegsende
heimkehren. Von den aus unserer Gemeinde eingerückten waren in Rußland und
Italien gefangen.
Recht beträchtlich war auch der Geburtenausfall während der
Kriegsjahre. Während das Matrikenamt für das Jahr 1914 noch 15 Geburten
ausweist, sind in den Jahren 1915 - 19 nur
7, 9, 8, 9, und 9
verzeichnet.
Von dem im Gefolge des Krieges auftretenden Krankheiten blieb unser Dorf
bis auf die überall auftretenden „Grippe” verschont; diese forderte auch in
unserer Gemeinde ihre Opfer.
Der
staatliche Umsturz.
Der Oktober des Jahres 1918 brachte endlich den langersehnten Frieden.
Nach dem Zerfall der österreich - ungarischen Monarchie wurde unsere Gemeinde
eingegliedert in die neuentstandene tschechoslowakische Republik. Von dem
eigentlichen Umsturze war unsere abgelegene Gemeinde nicht viel Aufregendes zu
merken. Nach vollzogener Besetzung der Bezirksstadt ging bei uns alles seinen
ruhigen Gang weiter.
Unter die ersten notwendigen Maßnahmen der neuen Regierung fällt die
Kennzeichnung der innerhalb der Staatsgrenzen umlaufenden Banknoten durch
aufgeklebte Stempelmarken , bis sie durch neue Banknoten ersetzt werden konnten.
Dann folgte eine gesetzliche Verpflichtung zur Anmeldung der Wertpapiere und
Spareinlagen. Um dem jungen Staate eine gesunde Grundlage zu geben, folgte
schließlich das Gesetz über die Vermögensabgabe.
Zum
ersten Präsidenten des Staates wurde T: G. Masaryk gewählt.
1919.
Der Winter kam überraschend früh. Viel Getreide und besonders Erdäpfel
konnten nicht mehr eingeerntet werden.
1920.
Das Gehöft der Berta Langer brannte am 27.10 nieder. Es bestand
große Gefahr für die Nachbarhäuser Nr. 87,
113 und die Pfarrscheune.
1921
wurde die Anbaustatistik verweigert; sie mußte aber im Herbste verfaßt
werden. Seit Kriegsende wuchs die Teuerung ohne Ende. Die Getreidepreise stiegen
seit 1919 fast das Doppelte. Für schwere Zugpferde wurden bis 32,00 Kc’
gezahlt; für Kühe bis 6.000 Kc’, für ein kg Butter 28 - 30 Kc’,
1 Zentner Korn brachte 400, Weizen 600,
Hafer 250, Erdäpfel 70 Kc’
1924.
Nach längeren Verhandlungen erklärt sich die Postverwaltung bereit,
beim hiesigen Postamte eine öffentliche Fernsprechzelle einzurichten, die
Gemeinde trägt 8.400 Kc’ zu den Baukosten bei.
Am 23.
Oktober wurde ein Gedenkstein zu Ehren des Bauernbefreiers Hans Kudlich enthüllt.
Die während des Krieges abgenommenen Glocken konnten in diesem Jahre durch neue
ersetzt werden; sie wurden am 15. Juni geweiht.
1928.
Eine Gemeinde - Vollversammlung beschließt die Elektrifizierung der Gemeinde
und die Aufnahme des hiezu nötigen Darlehens. Einer gegen diesen Beschluß
eingebrachten Beschwerde wird von der Aufsichtsbehörde Folge gegeben. Nun führt
das Elektrizitätswerk Freudenthal die geplante Elektrifizierung durch. Am 28.
August leuchteten die Glühlampen zum ersten male auf.
In diesem Jahre erhielt unsere Gemeinde die erste regelmäßige
Autobusverbindung nach Freudenthal durchgeführt von Privatunternehmern.
Der Winter 1928 - 29 war außerordentlich kalt. Am 11 Feber des Jahres
1929
wurden in unserem Orte -32°
C gemessen. In vielen Häusern war die Wasserleitung eingefroren. Sehr groß
waren die Frostschäden an den Obstbäumen. Eine Zählung ergab, daß durch die
große Kälte 523 Apfelbäume, 238 Birnbäume, 4 Nußbäume, 27 Johannes - und
Stachelbeersträucher vernichtet wurden.
1930
herrschte große Dürre. Am 18. August brannte die Scheune des Johann Kneifel
samt der Ernte nieder. (
PS. Onkel des Übersetzers)
Die Gemeinde Alt-Vogelseifen zur Zeit der
Anlegung des Gedenkbuches
Unsere Gemeinde Alt-Vogelseifen liegt im hohen Gesenke in einer mittleren
Meereshöhe von 620 m. Der höchste Punkt ist der Hutstein mit 735 m, die
tiefste Stelle am östlichen Dorfende (Breyermühle) mit etwa 580 m Die Gemeinde
liegt unter 50°1 n. Breite und 17°23’
östliche Länge.
Das Dorf schmiegt sich in ein Tal, das südlich begrenzt wird vom
Seifenberg und Drahtberg, nördlich vom Hutstein
und den Ausläufern der Silberberge. Die Entwässerung des
Gemeindegebiete besorgen der Dorfbach, der Schwarzbach, der Soerbach, Der Seifen
- und der Zechenbach.
Alt-Vogelseifen gehört zum Gerichts =
und politischen Bezirke Freudenthal, Kreis Troppau, Land Mähren -
Schlesien. Die Gemeinde bildet einen eigenen Schulsprengel und ist Sitz des röm.
kath. Pfarramtes, sie gehörte zuletzt zum Herrschaftsgebiete Freudenthal. Zu
Alt-Vogelseifen gehören die fünf in unmittelbarer Nähe Wiedergrüns gelegenen
Häuser Nr. 94, 115, 118, und 119; sie sind nach Wiedergrün eingeschult.
Der Boden. durch Verwitterung von Schiefer =, Gneis = und Kalkgestein,
ist nicht sehr fruchtbar; besonders die höher gelegenen Äcker haben eine nur dünne
Humusschichte. Große Haufen von Abklaubsteinen zeugen von dem eifrigen Bemühen
der Bewohner, den Boden Fruchtbar zu machen. Der Ost - westlichen Richtung des
Tales entsprechend, liegen die Felder teils an der Südseite der Abhänge, teils
an deren Nordseite oder wie die Ortsinsassen sagen; an der Sommer = und
Winterseite. Der Boden enthält Tonschiefer, der abgebaut und als Dachschiefer
verwendet wurde. An einigen Stellen, so im „Soer” kommen Findlingsblöcke
von Quarz vor, wohl noch aus der Eiszeit herrührend. Daß auch erzführende
Schichten vorkommen, ist aus der Gründung unseres Dorfes zu ersehen.
Nach der letzten Volkszählung besaß unsere Gemeinde 632 Einwohner,
hiervon waren 630 deutsche Ortsansässige und 2 slowakische Durchreisende. 629
Personen bekannten sich zur röm. kath. Kirche, 3 zur evangelischen A. B. Die
Einwohner sprechen die schlesische Mundart; sie hat sich fast unverändert
erhalten, wenn gleich der Einfluß der Schriftsprache besonders auf die jüngere
Generation nicht zu verkennen ist. Folgend sei eine Mundartprobe angeführt:
„De Mutta hoht gesät,
ech söl Hoiz un Köi reiträn.”
Die Mutter hat gesagt, ich soll Holz und Kohle hereintragen.
„Dr Vota frogt’n Nopper, op’r nie a wing reikumme
wo’i. Näi säht’r, ech muß etz of Frädnthol laafn.”
Der
Vater fragt den Nachbar, ob er nicht ein wenig hereinkommen wolle. Nein sagt
der, ich muß jetzt nach Freudenthal laufen.
Die alten Volksbräuche sind verschwunden und mit ihnen die alte
Volkstracht.
Seiner
Anlage nach ist unser Dorf ein „Waldhufendorf”, die Bauernhöfe sind „fränkische
Vierkanthöfe”. Unser Dorf weist unverhältnismäßig viele Gehöfte neuerer
Bauart auf, die alten Holzhäuser sind bis auf wenig Ausnahmen durch gemauerte
ersetzt worden.
Das Gemeindegebiet von Alt-Vogelseifen umfaßt eine Fläche von 1634 ha,
94 m², davon sind 1267, 61 ha
Äcker
186,24 ha Wiesen
19,05 ha Gärten
und Weiden,
138,43 ha
Wald,
9,o7 ha
Baugrund
24, 54 ha unproduktiver
Boden.
Von
diesem Boden gehören:
1.552,95 ha den
Ortsansässigen,
15,15
ha den
Dem Deutschorden
66,84 ha
Ortsfremden.
Die
Gemeinde grenzt an die Katastralgemeinden Neu - Vogelseifen, Wiedergrün,
Lichtewerden, Neudörfel, Nieder - und Ober - Wildgrub.
Unser
Dorf zählt 142 Hausnummern mit 140 Häusern - die Häuser Nr. 23 und 57 sind
abgetragen.
Die Gemeinde besitzt an unbeweglichen Vermögen ein stockhohes Schulhaus,
das Wohnhaus Nr. 89 (die alte Schule) ein Isolierlokal Nr. 86, eine Scheune und
an Grundstücken 28,98 ha Äcker, 3,77 ha Wiesen, 6,59 a Gärten, 1,99 ha
Hutweiden, 1,91 ha Wald und 4 a verbaute Flächen.
Inmitten des Ortes steht die röm. - kath. Pfarrkirche, ihr gegenüber
das Pfarrhaus mit dem Matrikenamte. Die Gemeinde besitzt ferner ein Postamt mit
einer öffentlichen Fernsprechzelle; die Post wird einmal täglich zugestellt.
die Spargelder der Gemeindeinsassen sind zum großen Teile beim
landwirtschaftlichen Spar - u. Vorschußvereine in Alt-Vogelseifen angelegt. Das
Vereinsleben ist sehr rege; im Orte bestehen 10 Vereine bzw. Ortsgruppen.
1931
Nach dem Ausweise des Matrikenamtes wurden in der Gemeinde 7 Kinder
geboren, davon 1 unehelich. Es starben 10 Personen.
In der
Nähe des abgetragenen Hauses Nr. 85 wurde das neue Haus des landw. Spar - u.
Vorschußvereines erbaut.
Das
Haus Nr. 65 des Franz Niesner wird umgebaut, die im Vorjahre eingeäscherte
Scheune des Johann Kneifel wieder
aufgebaut.
Im
allgemeinen herrscht geringe Baulust.
Der Gemeindevoranschlag für das Jahr 1931 weist an Ausgaben eine Summe
von 40.101 Kc’ aus. davon für Schulzwecke 10.926 Kc’. Die Einahmen sind mit
. . . 26.679 Kc’ angenommen. Das unbedeckte Erfordernis beträgt daher
. . 13.422 Kc’; zur Deckung des Abganges wurden die Einhebung einer 200 % igen
Gemeindeumlage von allen umlagepflichtigen Steuern beschlossen.
Die Steuergrundlage beträgt derzeit 7561,20 Kc’, davon entfallen auf
die Grundsteuer 4.823,30 Kc’, auf die Hausklassensteuer
1.877.50 Kc’
auf die Hauszinssteuer 342,80 Kc’,
auf Erwerbsteuer 488, 6o Kc’, auf Rentensteuer 12 Kc’.
Die Gemeinderechnung für dieses Jahr weist Gesamteinahmen
in der Höhe von 45.575 Kc’ aus, denen Gesamtausgaben in der Höhe von
37.481 Kc’ gegenüberstehen, sodaß für das nächste Jahr ein Kassarest von
8.094 Kc’ verbleibt.
Die Volksschule zählt 2 aufsteigende Klassen; sie wurde in diesem Jahre
von 87 Kindern und zwar 40 Knaben und 47 Mädchen besucht.
Zu
Beginn des Jahres besaß die Gemeindebücherei 767 Bände. Aus dem von der
Gemeinde beigestellten Betrag von 350 Kc’ und aus den eingenommenen Leihgebühren
wurden noch 35 Bände angekauft. die Leserzahl belief sich auf 84, es wurden 727
Bände entlehnt.
Im Herbst wurde die durch das Dorf führende Bezirksstraße frisch
beschottert und gewalzt; nur das Stück längs der Stützmauer bei der Kirche
blieb ungewalzt, da der Einsturz der Mauer befürchtet wurde und weder Gemeinde
noch Bezirk die Stützmauer herstellen wollten.
Im Orte werden derzeit 5 Rundfunkempfänger benutzt; ein Teil der Schüler
hört regelmäßig die Schulfunksendungen. Das erste Rundfunkempfangsgerät in
unserer Gemeinde wurde im Jahre 1928 durch H. Josef Fitz Nr. 1 angekauft.
Am 27. September fanden die Wahlen in die Gemeindevertretung statt. In
der Gemeinde wohnten 351 wahlberechtigte Personen. Die verschiedenen Parteien
einigten sich und legten nur eine Kandidatenliste der Landwirte , Häusler,
Arbeiter und Gewerbetreiben vor; infolgedessen entfiel der der eigentliche
Wahlvorgang.
In der Gemeinde wohnen 149 Familien. Davon sind 48 Bauern, 9 Häusler, 23
Handwerker,
8 Kaufleute, 23 Arbeiter, 10 Tagelöhner 21 Ausgedinger und Rentner, 3 Beamte, 2
Lehrer, 1 Geistlicher und 1 landw. Arbeiter.
In der
Gemeinde bestehen 32 Mietwohnungen, die Mieter sind Lehrer, Beamte,
Gewerbetreibende, Arbeiter, Tagelöhner und Rentner.
Die alten Volksbräuche sind zum größten Teile vergessen. Jetzt wird
noch der fromme Brauch des Kreuzchensteckens geübt; aus geweihtem Holze werden
Kreuzchen gemacht und in die Felder gesteckt. Die „Johannisfeuer” werden
auch noch angezündet.
Auf die rege Vereinstätigkeit wurde bereits hingewiesen. Folgend seien
die im Orte bestehenden Vereine angeführt:
1. Die freiwillige Feuerwehr, gegr. 1885.
2.
Der landwirtschaftliche Verein, gegr. 1889. Der Verein bezog im Berichtsjahre für
seine Mitglieder
Kunstdünger um 70.600 Kc’, Kohle um 36.580 Kc’.
3.
Der landw. Spar - u. Vorschußverein, als Raiffeisenkasse gegr. 1894 . Der Verein weist bei einem Stande von 193 Mitgliedern an
Spareinlagen 3,297.619 Kc’, an Darlehen 1,720.653 Kc’ und einen Reservefond
von 101.373 Kc’ aus.
4.
Der Schulhellerverein, gegr. 1904. Im Jahre 1931 beschenkte der Verein
arme Schüler mit Kleidungsstücken und Lernmitteln im Werte von 557 Kc’ und
steuerte für Lehrausflüge 352 Kc’ bei.
5.
Die Ortsgruppe der Landwirtevereinigung, gegr. 1920.
6.
Der Musik - Unterstützungsverein, gegr. 1926.
7.
Der 155. Zweigverein des Verbandes deutscher Jäger „St. Hubertus”,
1927.
8.
Die Ortsgruppe des Bundes der deutschen Schlesiens.
9.
Die Ortsgruppe des deutschen Kulturverbandes.
10.
Der Kameradschaftsverein gedienter Soldaten, gegr. 1930.
Im Juni feierte der junge Verein das Fest seiner Fahnenweihe unter starker
Teilnahme der Ortsbewohner und vieler auswärtiger Vereine und Gäste.
1932.
Das
Matrikenamt weist für dieses Jahr 12 Geburten aus, hie = 1 uneheliche, und 4
Todesfälle.
Die Häuserzahl
vermehrte sich um 2 Nummern:
Nr. 143
des Hermann Lindner, Schneidermeister,
ebenerdiges Wohnhaus.;
Nr. 144
des Adolf Lux, Hilfsarbeiter ebenerdiges Wohnhaus.
Der Gemeindevoranschlag weist als Erfordernis die Summe von 44.589 Kc’
aus., davon für Schulzwecke 13.609 Kc’. Die Bedeckung mit 31.177 Kc’
angenommen, Zwecks Deckung des Abganges von. . .13.412
Kc’ wurde die Einhebung einer 180% igen Umlage beschlossen.
Die
Steuergrundlage beträgt 7.566,60 Kc’
Die
Gemeinde hat in diesem Jahre 52.619
Kc’ eingenommen und insgesamt 48.884 Kc’ ausgegeben, die Gebarung schloß
mit einem Kassarest von 3.735 Kc’ und 2.717
Kc’ an rückständigen Einnahmen
Wichtige
Beschlüsse.
18.5.
Um die einheimischen Gewerbetreibenden zu schützen,
beschließ die Gemeindevertretung das Verbot des Hausierhandels.
Die
Gemeinde verkauft 539 m² der Parzelle Nr. 502/ 2 als Baugrund an Adolf u. Marie Lux
für
Kc’ je m².
9.9.
Um die Wohnungsnot und die Arbeitslosigkeit etwas zu verringern, wird der
Aufbau eines Stockwerkes auf die alte Schule Nr. 89 beschlossen; dadurch sollen
4 Wohnungen zu je Zimmer und Küche hergestellt werden.
14.10.
Die Aufnahme eines Darlehens von 90.000 Kc’ für den Aufbau des
Stockwerkes wird beschlossen.
Ab 24.9.
verkehrt der Autobus der tschsl. Staatsbahn auf der Strecke Freudenthal -
Alt-Vogelseifen - Kl. Mohrau.
Am
11.5. spendet Weihbischof Dr. Josef Schinzel die
hl. Firmung in der hiesigen Pfarrkirche an 118 Firmlinge.
Die beiden Klassen der hiesigen Volksschule wurden in diesem Jahre von 47
Knaben und 53 Mädchen besucht.
Die
Gemeindebücherei besaß zu Beginn des Jahres 402 Bände, im Laufe des Jahres
wurden 25 Bände angekauft. 87 Leser entlehnten 736 Bände.
Die Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage und die
Arbeitslosigkeit werden immer fühlbarer; 18 Arbeitslose aus unserem Orte wurden
aus der staatl. Ernährungsaktion unterstützt.
Durch
gesetzliche Maßnahmen wird der Zinsfuß besonders der Spareinlagen herabgesetzt
1933
In der
Gemeinde wurden 8 Kinder geboren, davon 3 unehelich; es starben 17 Personen.
Die Bautätigkeit ist sehr gering; die Gemeinde stellt bei der alten
Schule einen Anbau her, der zwei Wohnküchen enthält.
Der Voranschlag weist gegenüber dem Vorjahre eine Erhöhung auf. Das
Erfordernis wurde mit 47.703 Kc’ für Schulzwecke, davon 10.000 Kc’ die
Bedeckung mit 32. 134 Kc’ veranschlagt. Der Abgang von 15.569 Kc’ soll durch
eine 200 % ige Gemeindeumlage gedeckt werden.
In der Gemeinderechnung erscheinen die Einnahmen mit 37.802 Kc’, die
Ausgaben mit 35.406 Kc’ sodaß sich ein Kasarest von 2395 Kc’ zuzüglich
4795 Kc’ an Rückständen ergibt.
Wichtige
Beschlüsse.
22.1.
Der Gemeindeversammlung wird der seinerzeitige Beschluß der
Gemeindevertretung über den
Aufbau eines Stockwerkes die alte Schule zur Entscheidung vorgelegt. Die
Vollversammlung beschließt mit Stimmenmehrheit, daß von den geplanten Aufbau
abzusehen sei.
3.3.
Die von Johann
Kneifel angebotene Waldparzelle Nr. 974 u. 975/1 sollen um den Betrag von
26.000 Kc’ angekauft werden.
Außerordentliche
Ereignisse.
4.6.
Im Wohnhause Nr. 28. brach um 12,15 ein Schadenfeuer aus, dem
auch die Stallungen zum Opfer fielen;
4 auswärtige Feuerwehren arbeiteten.
17.10.
Ebenfalls aus unbekannter Ursache geriet die Scheune bei Haus Nr. 45 um
½ 11 Uhr abends in Brand. Die
Ernte und die Dreschmaschine samt Strohpresse der Dampfdreschgarnitur
verbrannte. 3 auswärtige Wehren beteiligten sich an den Löscharbeiten.
In
diesem Jahre wurde die hiesige Schule von 46 Knaben und 58 Mädchen besucht.
Der
Ortsschulrat beschloß am 17.7., um die Bewilligung einer Parallelklasse zur 2.
Klasse anzusuchen. Diese wurde bewilligt und am 1.9. eröffnet.
Für
die Gemeindebücherei wurden aus dem Beitrag der Gemeinde 19 neue Bände
angeschafft. 87 Leser entlehnten in diesem Jahre 742 Bände.
Am
28.10 wurde im ganzen Staatsgebiete die 15. Wiederkehr des Gründungstages
unseres Staates feierlich begangen.
Der
Nationalausschuß in Prag erließ am 28.10.1918 ein Manifest, das folgend
begann:
„Tschechoslowakisches
Volk! Dein uralter Traum ist zur Wirklichkeit geworden. Der tschechoslowakische
Staat ist am heutigen Tage in die Reihe der selbständigen freien Kulturstaaten
der Welt getreten.”
Bereits
vor und ganz besonders während des Weltkrieges waren die Führer des
tschechoslowakischen Volkes um die Errichtung eines Nationalstaates bemüht. In
Rußland schlossen etwa 1000 dort ansässige Tschechen sich zu einem
Bataillon zusammen, unter den tschechischen und slowakischen Kriegsgefangenen
wurden Mitglieder für die Legion geworben. Im Mai 1917 hatten die tschechischen
Schriftsteller der tschechischen Öffentlichkeit zum ersten Male mehr oder
weniger offen von der Selbstbestimmung gesprochen. Bereits im Juli
1917 schlug sich die Legion bei Zborow gegen Österreich. Dessen
wirtschaftliche, militärische und politische Lage war so elend, daß man in
Unterhandlungen wegen eines Sonderfriedens mit den gegnerischen Mächten
eintrat, um den Preis der Autonomie der Völker. Dieser Schritt war aber durch
die Ereignisse schon überholt worden. In seiner Botschaft vom 8.1.1918
stellte der Präsident der „Vereinigten Staaten Nordamerikas” Wilson
als Friedensbedingung seine 14 Punkte auf. Am 16.10.1018 wurde ein Manifest
erlassen, das Österreich in einen Bundesstaat zerlegte. Am 18.10.1918 erschien
die Unabhängigkeitserklärung der tschsl. Regierung in Paris, die mit
den Worten schloß: „Wir glauben an Demokratie, wir glauben an Freiheit, an
Freiheit für immerdar.”
Gezeichnet Masaryk, Stefanik, Benes´.
Als der
österreichische Außenminister am 27. 10. nochmals einen Sonderfrieden anbot,
griffen die in Prag gebliebenen Mitglieder des Nationalausschusses rasch
zu:
Am
28.10.1918 übernahmen sie die Befehlsgewalt in Prag und versicherten sich der
staatlichen Behörden und Ämter. Als der Verwaltungszweig wurde die so wichtige
Kriegsgetreideanstalt übernommen. Am 30.10.1918 traten Vertreter aller
slowakischen Parteien in St. Martin am Turic zusammen und veröffentlichten
eine Deklaration des slowakischen Volkes, die slowakische Nation sei sprachlich
und kulturhistorisch ein Teil der einheitlichen tschechoslowakischen Nation.
Das
erste Gesetz des Staates besagt, daß die Staatsform von der Nationalversammlung
im Einvernehmen mit dem tschechoslowakischen Nationalrat in Paris bestimmt
werde.
Am
29.2.1920 beschloß die Nationalversammlung das Gesetz über die Einführung der
Verfassungsurkunde für unseren Staat. Im § 1
dieser Urkunde heißt es:
Das
Volk ist die einzige Quelle der gesamten Staatsgewalt in der tschsl. Republik
§
2 Der
tschechoslowakische Staat ist eine demokratische Republik, deren Haupt ein gewählter
Präsident ist.
Das
Jahr 1933 war ein arges Mißjahr, die Feldfrüchte litten unter der großen Dürre.
den Arbeitslosen in den Gemeinden wurden Lebensmittelkarten im Werte von 3.500
Kc’ aus der staatl. Ernährungsaktion zugewiesen; außerdem wurde eine
Lebensmittelsammlung durchgeführt.
1934
Das
Matrikenamt verzeichnet 8 Geburten, davon 3 außereheliche, 6 Todesfälle.
Die
Bautätigkeit ruht fast vollkommen, nur geringfügige Herstellungsarbeiten
werden ausgeführt.
Im Voranschlag sind die Ausgaben mit 41.131 Kc’
angenommen, davon für Schulzwecke 8.617 Kc’ die Einnahmen mit 26.947
Kc’, der Abgang soll durch eine 200 % ige Gemeindeumlage gedeckt werden.
Die Steuerumlage beträgt 7.635,10 Kc’
Die Einnahmen der Gemeinde betragen 39.798 Kc’, die Ausgaben 37.134 Kc’
, die Kassengebarung schließt mit einem Kassarest von 2.663 Kc’ und 3.586 Kc’
an Rückständen.
24.5.
Der bisherige Präsident
der csl. Republik T. G. MASARYK wird wieder zum Präsidenten unseres
Staates gewählt. Als Sohn armer Eltern am 7.3.1850 zu Göding geboren, überragte
er bald seine Spielkameraden. Der Kreis, in dm er lebte, ward ihm bald zu enge.
sein rastloser Fleiß und die ungewöhnliche Begabung ließen ihn das Doktorat
und schließlich die ehrenvolle Stelle eines Professors an der neuerrichteten
tschechischen Universität in Prag erringen. Al Forscher, Lehrer, Schriftsteller
und Politiker entfaltete Prof. Masaryk nun eine fruchtbare Tätigkeit,
auf das engste mit seinem Volke verwachsen, für das eine neue Zeit anzubrechen
schien. Die Kriegswirren rückten die Möglichkeit der Errichtung eines selbständigen
tschechischen Staates in den Bereich der nahen Wirklichkeit.
Aus der Heimat geflüchtet, war der Herr Präsident in alleer Welt unermüdlich
tätig, seinem Volke die Freiheit zu erringen. Er trug ganz besonders bei zur
Organisierung der Legion, hauptsächlich durch seine aufklärende Schrift „Das
neue Europa.” Dankbar übertrug das Volk T. G. MASARYK die Würde des
ersten Präsidenten des jungen Staates.
Wichtige
Beschlüsse:
Da
manche Parteien sehr sämig in der Entrichtung der Kirchenumlage sind, beschließt
die Gemeindevertretung am 27.
April, Steueramt um Einhebung dieser Umlage zu ersuchen.
Bildungswesen.
Auf
Grund der Schülereinschreibungen beschloß der Ortsschulrat am 28. Juni, um die
Weiterbelassung der Parallelklasse zur 2. Klasse anzusuchen. Der Landesschulrat
bewilligte die Klasse auch für das Schuljahr 1934/35.
Die Gemeindebücherei besaß zu Beginn des Jahres 446 Bände; aus dem
Beitrag der Gemeinde wurden 10 Bände angeschafft; am Ende des Jahres umfaßte
die Bücherei 456 Bände. Während des Jahres wurden von 89 Lesern 648 Bände
entlehnt.
Land
und Staat.
Am 9.
Oktober fiel König Alexander I., der Herrscher des befreundeten Königreiches
Südslawien, einen Mordanschlag während eines Besuches in Frankreich zum Opfer.
1935.
Statistisches:
Nach dem Ausweise des Matrikenamtes wurden 6 Knaben und 3 Mädchen
geboren; 8 Kinder waren ehelicher, 1 unehelicher Geburt; 12 Personen starben; es
wurden 3 Ehen geschlossen.
Die Bautätigkeit ist weiterhin sehr gering; es werden nur Um = und
Zubauten, jedoch keine Neubauten aufgeführt.
Gemeindehaushalt:
Im Voranschlag der Gemeinde wurden 41.416 Kc’ als Ausgaben, davon 7147
Kc’ für Schulzwecke, 23.008 Kc’ als Bedeckung angenommen. Der Abgang von
18.408 Kc’ soll durch eine 240 % ige Umlage (200% zur Hauszinssteuer) gedeckt
werden. Die Steuergrundlage beträgt 7.772 Kc’.
Die Jahresrechnung weist 43.421 Kc’ an Einahmen, 40.261 Kc’ an
Ausgaben und einen Kassarest von 3.160 Kc’ sowie 2.227 Kc’ an Rückständen
aus.
Wichtige
Beschlüsse:
Am 22. März
beschloß die Gemeindevertretung daß
alle Obstbäume in der Gemeinde mit einem Mittel gegen tierische und pflanzliche
Schädlinge zu spritzen seien. Der Landw. Spar. u. Vorschußverein hat eine
Obstbaumspritze angeschafft und zur
Verfügung gestellt.
Zum 1
Mai wurden in der Gemeinde 1.444 Apfel. -, 372 Birn -, 447 Kirsch -, 90 Weichsel
-, 67 Zwetschken - und 260 Pflaumenbäume, sowie 232 Ribis - und 201
Stachelbeersträucher gezählt. Der voranstehende Beschluß wurde durchgeführt
und der Erfolg lohnte die aufgewendete Mühe.
Außerordentliche
Ereignisse:
Am
6. März hielt die Gemeindevertretung anläßlich des 85. Geburtstages des Herrn
Staatspräsidenten T. G. MASARYK eine Festsitzung ab, an der auch der
gesamte Lehrkörper, Vertreter der Ämter, Vereine und Körperschaften
teilnahmen. Die Festansprache klang in herzliche und aufrichtige Glückwünsche
an das Staatsoberhaupt aus.
Naturereignisse:
Die
Witterung brachte manche Überraschung. Während im November und Dezember des
Vorjahres nur wenig Schnee fiel, setzte am 25. Jänner nachmittags ein
derartiges Schneetreiben ein, daß der Abendautobus der Staatsbahn beim Hause
Nr. 11 die ganze Nacht in Schnee stecken blieb. Der Autobusverkehr war bis 23.
Feber eingestellt. Am 24. April zog um ½ 7 Uhr ein Gewitter auf, um 12
½ Uhr ein zweites, sehr
heftiges Gewitter mit Hagel; es dauerte bis gegen
4 Uhr Nachmittag. Der 1. Mai entsprach durchaus nicht dem Wonnemonat:
Morgentemperatur -1,5° C; es find
an zu schneien und der Schnee blieb liegen trotz dieses späten Frostes gab es
im Herbst reichlich Obst und eine befriedigende Ernte.
Religiöses
Leben;
Am 12.
Dezember verließ Pfarrer ENGELBERT
Strauß unsere Gemeinde,
um die Pfarre Unter - Langendorf zu übernehmen. Am gleichen Tage traf der
Administrator und nachherige Pfarrer P. Konrad Seliger hier ein.
Bildungswesen:
Die
hiesige Schule wurde in diesem Jahre von 43 Knaben und 47 Mädchen besucht. Der
Ortsschulrat beschloß am 30 Mai, die Bewilligung des vereinfachten
Schulbesuches anzustreben; der Landesschulrat bewilligte diese Art des
Schulbesuches ( an 6 Tagen Vormittags und an 2 Tagen auch Nachmittagsunterricht.
Für
die Gemeindebücherei wurden 29 Bände erworben, sodaß sie am Ende des Jahres
485 Bände besaß. 87 Leser entlehnten 678 Bücher.
Wohlfahrtspflege:
Da die Arbeitslosigkeit immer noch groß ist, wurde eine Sammlung
durchgeführt und deren beträchtliches Ergebnis an Lebensmitteln und Geld unter
die hiesigen Arbeitslosen verteilt.
Nationales
und politisches Leben:
Am 19.
Mai fanden die Wahlen in die Abgeordnetenkammer und in den Senat statt.
Für
die Wahl in die Abgeordnetenkammer waren 370 Personen wahlberechtigt; es wurden
341 Stimmzettel abgegeben.
Es
entfielen auf die Kandidatenlisten:
Nr. 6 deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei
16 Stimmen,
„ 8 Bund
der Landwirte
73 „
„ 9 deutsche
christl. - soz. Volkspartei
36 „
„ 10
Zivnost. obchodn. strana
1
„
„ 11
Sudetendeutscher Wahlblock
17 „
„ 12
Sudetendeutsche Partei
197 „
„ 16
narodni sjednoceni
1
„
Für
die Wahl in den Senat waren 314 Personen
wahlberechtigt, die 288 gültige Stimmzettel
abgaben.
Es
erhielten die Kandidatenlisten:
Nr. 6 Deutsche soziald. Arbeiter Partei
14 Stimmen
„ 8
Bund der Landwirte
63 „
„ 9
deutsche chr. - soz.
Volkspartei
36 „
„ 10
Zivnost. - obchodn. strana
1
„
„ 11
Sudetendeutscher Wahlblock
13 „
„ 12
Sudetendeutsche Partei
161 „
Am 26.
Mai wurden die Mitglieder der Landes - und Bezirksvertretung gewählt.
Für
die Wahl in die Landesvertretung waren 337 Personen wahlberechtigt; sie gaben
309 giltige Stimmzettel ab.
Es
entfielen auf die Kandidatenlisten:
Nr. 6 Deutsche
soziald. Arbeiterpartei 13
Stimmen
„ 8
Bund der Landwirte
39 „
„ 9
Deutsche christl. - soz.Volkspartei
24 „
„ 20
Sudetendeutsche Partei
229 „
„ 25
Sudetendeutscher Wahlblock
4 „
Für
die Wahl in die Bezirksvertretung waren ebenfalls 337 Personen wahlberechtigt,
die 309 giltige Stimmzettel abgaben.
Es
erhielten die Kandidatenlisten:
Nr. 6
Deutsche soziald. Arbeiterpartei
14
Stimmen
„ 8
Bund der Landwirte
40 „
„ 9
chr. - soz. Volkspartei
28 „
„ 20
Sudetendeutsche Partei
226 „
„ 21
Ceska volcbni skupina
1
„
Der
Wahlkampf wurde mitunter recht hitzig geführt; die verschiedenen Parteien
hielten Wahlversammlungen ab.
Vereinstätigkeit:
Am 23.
Juni feierte die freiwillige Feuerwehr das Fest ihres 50 jährigen Bestehens.
Bei dieser Gelegenheit wurden die noch lebenden gründenden Mitglieder der Wehr
besonders geehrt.
Land
und Staat.
Am 14 Dezember gab der Herr Staatspräsident T. G. MASARYK auf Schloß
Lany die
Erklärung ab, daß er sein Amt niederzulegen wünsche mit der Begründung, daß
das Amt des Staatspräsident nun über seine Kräfte gehe. Gleichzeitig empfahl
er als Nachfolger seinen langjährigen Mitarbeiter Dr. Eduard Benes. Der
Verzicht des Herrn Präsidenten auf sein hohes Amt wurde im ganzen Staate mit
großem Bedauern aufgenommen. schon am 18.
Dezember wählte die Nationalversammlung im historischen Wladislavsaale der
Prager Burg den bisherigen Außenminister Abgeordneten Dr. Eduard Benes
zum Präsidenten unseres Staates.
Präsident Dr. Eduard Benes wurde am 28 Mai 1884 zu Kozlany in Böhmen
geboren. Nach absolviertem Gymnasium studierte er Philosophie an der Hochschule
in Prag und an der Pariser Sorbonne. Er kehrte als Doktor heim und erwarb später
auch das Doktorat an der Prager Hochschule. Seit dem Jahre 1909 wirkte Dr.
Eduard Benes an der Seite seines Lehrers und Freundes T. G.
Masaryk und unterstützte diesen im Kampfe um die staatliche Selbständigkeit
der tschechoslowakischen Republik. Er wurde der erste Außenminister unseres
Staates und stand diesem
verantwortungsvollen Amte bis zu seiner Wahl zum Staatspräsidenten vor.
„ Er war Derjenige,
der den Tschechen 1945 den Auftrag
gab, daß den Sudetendeutschen bei der Vertreibung
alles, bis auf ein Taschentuch wegzunehmen
sei, das zum Trocknen ihrer Tränen bleibe. (A. J.)”
1936
Statistisches:
In der Gemeinde wurden 9 Kinder geboren ( 6 Knaben und 3 Mädchen); es
wurden 3 Ehen geschlossen und 12 Personen starben.
Die
Bautätigkeit scheint sich wieder zu beleben. Außer Um - und Zubauten wird der
Neubau des Wohnhauses Nr. 145 (Besitzerin Eugenie Fitz) durchgeführt.
Gemeindehaushalt:
Das
veranschlagte Erfordernis beträgt 42.086 Kc’ , davon für Schulzwecke 7. 567
Kc’ die angenommene Bedeckung 23. 591 Kc’. Der Abgang von 18.495 Kc’ soll
durch einen 200 % igen Umlage zur Hauszinssteuer und durch eine 240 % ige Umlage
zu den anderen umlagefähigen Steuern gedeckt werden. Die Steuergrundlage beträgt
7.800 Kc’.
Die Jahresrechnung schließt bei 50. 520 Kc’ an Einnahmen und 45.589 Kc’
an Ausgaben mit einem Kassarest von 4.931 Kc’ und 3.113 Kc’ an Rückständen
ab.
Außerordentliche
Ereignisse:
Am 24. Mai beschloß die Gemeindevertretung; über Einladung der
Schulleitung an einer Feier anläßlich des Geburtstages des Herrn Staatspräsidenten
teilzunehmen. Am 27. Oktober hielt die Gemeindevertretung eine Festsitzung ab.
Der Vorsitzende gedachte der 18. Wiederkehr des Tages, an dem die
tschechoslowakische Republik ausgerufen worden war und schloß seine Ansprache
mit den besten Wünschen für unseren Staat.
Naturereignisse:
Der 25.
Mai brachte das erste Gewitter in diesem Jahre; es war sehr heftig, mit
Hagelschlag verbunden und dauerte von 12,20 bis 13 ½ Uhr. Es war überhaupt ein
gewitterreiches Jahr. Es war aber auch ein Mäusejahr. Die kleinen Nager fügten
Saaten und Feldfrüchten großen Schaden zu. Die Bauern versuchten mittels
Giftweizen die Schädlinge zu vertilgen. Der Erfolg war nicht vollkommen, da
einige Besitzer die Vertilgung entweder gar nicht, andere sehr nachlässig
durchführten.
Religiöses
Leben.
Am 25. Jänner starb in Troppau der Hochmeister des Deutschordens P. Paul
Heider. Er war als Kooperator in den Jahren 1893 - 1896 und hatte sich
große Verdienste um die Renovierung der hiesigen
Pfarrkirche erworben. Das Knabenseminar in Freudenthal und die Hedwigs -
Gedächtniskirche verdanken seiner Anregung und unermüdlichen Förderung ihre
Entstehung.
Am 16.
Oktober besuchte der neue Hochmeister Deutschordens Abt Robert Schälzki
unsere Gemeinde. Die Vertretung der eingepfarrten Gemeinden Alt-Vogelseifen, Neu - Vogelseifen und Wiedergrün,
die Schulkinder mit ihren Lehrern, Vereine und Gläubige bereiteten dem Herrn
Hochmeister einen feierlichen Empfang.
Bildungswesen:
In
diesem Schuljahr besuchten 41 Knaben und 47 Mädchen die hiesige Schule. Der
Ortsschulrat suchte wieder um die Bewilligung des vereinfachten Schulbesuches an
und erhielt diese.
Die
Gemeindebücherei hat um 16 Bände zugenommen und besitzt am Ende des Jahres 501
Bände. Die Leserzahl stieg auf 91, die Zahl der Entlehungen betrug 596. Von der
Zentralwanderbücherei wurden 16 Bände leihweise beigestellt.
Land
und Staat:
In
diesem Jahre wurde eine Staatsanleihe, genannt „Wehranleihe” aufgelegt. Der
Ertrag der Anleihe sollte für Aufrüstung und Verteidigungsanlagen unseres
Staates dienen.
Im
Juli begann der Bürgerkrieg in Spanien.
Hiermit
enden die deutschsprachigen Aufzeichnungen.
Das
Gedenkbuch wurde aus der originalen, handschriftlichen Sütterlinschrift bzw.
deutschen Normalschrift für die elektronische
Datenverarbeitung übersetzt, von
Adolf
Jahn , Landw. Meister i. R.
Sigmaringen
letztmöglicher
Erbe des 1946
verlorenen Erbgerichtes von
Wiedergrün
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