Memmingen
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(Aus der Festschrift zur Patenschaftsübernahme der Stadt Memmingen
vom 11.12.August 1956)

Der Patenstadt!

Hier Schwaben, dort Sudetenland!
Im morgennahen Dämmer zeigen sich Konturen

Der firngeschmückt alpinen Majestäten.
Noch liegt der Tau erquickend auf den Fluren,
Die wir behutsam, andachtsvoll betreten,
Denn Gottes Frieden schirmt hier deutsches Land.
Verheißend gleißt in lichterfüllter Wonne
Der helle Schein mit seinem goldnen Strahl,
Den jetzt, hochsteigend, diese gleiche Sonne
Der Heimat spendet: unserm Freudenthal.
Hier Allgäu, dort Altvaterland!

Die Landschaft einst uns. Berge stolze Höhen,
Umhaucht vom Duft der Tanne und der Fichte;
Geschick vereint uns seit altvorderem Geschehen:
Hier Reichsstadt, drüben ostdeutsche Geschichte,
Verbunden durch das große Vaterland.
Gewerbefleiß mit meisterlichen Sinnen
schuf Werte, nützend, was die Erde bot;
Des Flachses Fasern formten sich zu Linnen,
Die Erze schmolzen, Rodung brachte Brot.

Sankt Hedwig, Spross von Andechs-Ammersee,
Patronin Schlesiens, deren Lob wir künden,
Ließ und nach der Vertreibung und erlittnem Weh
In Bayerns weiten Gauen Obdach finden.
Wenn auch, was unser Eigen war, zerronnen,
Der Geist blieb unsrer Überlieferung getreu;
Auf neuem Boden, den wir hier gewonnen,
Erwuchsen Pflicht und Schaffensdrang aufs neu’.

Und was zu unser aller und der Nachwelt Segen
Errettet ward von zäh geschürftem Ahnengut,
Das woll’n wir, Memmingen, in Deine Hände legen
Und geben es vertrauensvoll in Deine Hut.
So füge Deinem Reichsschild voller Ehren
Heraldisch unsre Bergmannswappen ein;
Die treuen Schlesier wollen sich bewähren
Und bis zur Heimkehr Deines Schutzes würdig sein!

Wilhelm Urban