Köhlerberg
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Der Köhlerberg!

Der Köhlerberg ob Freudenthal
Spendet Gnaden ohne Zahl.
Auf welche Weise doch entstand,
Hör ich so manchen fragen.

Der Wallfahrtstag im Schlesierland
Wer hat da beigetragen,
Das so beglücket Freudenthal
Vor vielen Orten stehent?

Maria wählte dieses Tal
Wohl auf des Berges Höhe,
Damit, wer liebend zu ihr schaut,
Zugleich auf sichere Hilfe bau.

Die Lösung ist nicht gar so schwer.
Wer die Geschichte kennt,
Daß Oswald, edler Freiesherr
Von Liechtenstein genennet.

Sich einsam gar so tief verirrt,
In dichten, dunklen Wäldern,
Von Eulenburg bis Freudenthal
Kein Dorf und keine Felder.

Er irrt den ganzen Tag umher.
Die Sonn’ geht für ihn unter schwer,
Und wieder steigt sie morgens auf,
Die Rettung will nicht kommen.

Er sinkt ins Moos und denkt ans Grab,
Der Freiherr. Doch mit frommem,
Gottergebenen Christensinn,
Den Tod erwartend, sinkt er hin.

In Seufzen und in Todesgrau’n
Und felsenfestem Gottvertrau’n
Ruft er: „Maria, Hilf!“
Und sieh, schon naht die Hilfe.

Von Menschenstimmen überrascht
Folgt er dem Schall der Leute.
Die ganze Kraft zusammenfasst
Er, der nicht um sonst vertraute.

Zu seiner Freud er Köhler fand,
Als er sich dacht am Grabesrand.
Die sahen hocherstaunt nun an
Den todesmüden Edlen.

Die Köhlerhütte boten sie
Als Ruh’statt dem Gequällten.
So schwarz berußt die Hütt’ auch war,
Der Freiherr sanft doch schlummert.

Als Stärkung reichten sie ihm dar
Schwarzbrot für seinen Hunger.
Quellwasser, klar und rein,
Musst ihm statt des Weines sein.

Als Lichtenstein nun ausgeruht,
Die Köhler sich erboten
Als Führer, da der Weg nicht gut,
Verirrungen doch noch drohten.

Der Freiherr nahm es dankbar an,
Kam glücklich zu den Seinen.
Doch unermüdlich er nun sann,
Sich dankbar auch zu zeigen.

Am Platz, wo er die Rettung fand,
Baut er ein Kirchlein, Gott zu Ehren,
Köhlerberg wird’s noch genannt,
Wo wir Maria ehren.

Von Passau stammt das Gnadenbild,
Das noch die Kirche zieret,
Die durch die Gaben fromm und mild
Ward größer aufgeführet.

Auch die Allee ein Denkmal ist!
Maria hat gerettet, Den Freiherrn Riedheim,
Der vom Gerüst gestürzt
Und nicht zerschmettert.

Die Bosheit hatte schlimmen Tod
Dem Edlen zugemutet.
Er ruft: „ Maria Hilf!“ in seiner Not
Und sinkt ganz wohlgemutet,
in seinen Mantel eingehüllt,
Im Schlossraum nieder, sanft und mild.

Abgeschrieben vom Freudenthaler Ländchen Februar 1958. Das Gedicht schrieb Mizzi Link aus dem Gedächtnis, gelernt hat sie es in der Schule.

Herzlichen Dank für dieses schöne Gedicht.

Entdeckt: Friedrich Nather, Kreisbetreuer, Im Jahr des Herrn 2003