|
Ansprache Kurt Weese
|
Der lange Weg bis zum neuen Altvaterturm
Ansprache des Erbauers Kurt Weese, Architekt aus Freudenthal nach den beiden Gottesdiensten im Zelt 28./29.08.2004 Werte Gäste, Liebe Mitglieder und Förderer des Altvaterturmverein. Liebe Helfer am heutigen Einweihungstag. Herr Hannig hat in seinem Gedicht zur Einweihung des neuen Altvaterturmes, die wünsche die von dieser Feier ausgehen, umfassend in Gedichtform gebracht. In meinen Ausführungen möchte ich mich auf den geschichtlichen Hintergrund der 2 Altvatertürme und die Mitwirkenden dieser Werke konzentrieren. Nachdem der Mährisch-Schlesische Sudetengebirgsverein im Jahre 1896 nach längeren Überlegungen den Bau der Habsburgwarte auf dem höchsten Berg des Altvatergebirges beschlossen hat, wurde der Bau des Turmes nach mehrmaligen Änderungen des Entwurfes 1904 nach den Plänen des Wiener Architekten Ritter von Neumann (Sudetendeutsche Abstammung) begonnen. Das Altvatergebirge ist wenige Monate im Jahr schnee- und eisfrei. Baumeister Gröger aus Freiwaldau legte einen Serpentinenweg zum Gipfel an, um die Baumaterialien mit Pferdewagen zur Baustelle transportieren zu können. Das erforderliche Bruchsteinmaterial wurde in der Nähe des Bauplatzes aus dem Felsen gebrochen. Herr Ohnheiser aus Freudenthal fand mit der Wünschelrute auf dem Gipfel eine Stelle für den Bau eines Brunnens. Nach vierjähriger Bauzeit grüßte der Turm in seiner ganzen Größe weit ins Land. Ab 1912 konnte der Turm bestiegen werden. Im 1. Weltkrieg blieb der Turm geschlossen. Erst in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts fasste der MSSGV den Mut, den Turm zu restaurieren. Am 9. September 1934 wurde bei strahlenden Sonnen die Einweihung gefeiert. 8000 Menschen hatten den steilen Berg bestiegen. Fast genau 70 Jahre später stehen wir heute vor der Einweihung des neuen Altvaterturmes. Im Herbst 1976 wurde in Langgöns bei Gießen der Altvaterturmverein gegründet. Bürgermeister Ulm aus Langgöns stellte dem Verein einen Bauplatz im Ort für eine verkleinertes Modell des Turmes zur Verfügung. Nachdem der Verein sich bei der weiteren Planung darauf geeinigt hatte, den Turm in Originalgröße wiederzuerrichten, war dafür der Bauplatz zu klein. Ein größerer Bauplatz musste gefunden werden. Bürgermeister Ulm, den man bald den Vertriebenenbürgermeister nannte, bot uns einen Bauplatz außerhalb des Ortes in der Nähe des Limes an. Der erste Vorentwurf für den Neubau wurde an Herrn Architekt Oth in Heuchelheim vergeben. Unterlagen für die Planung waren einige Fotos vom alten Turm in der Heimat. Baumeister Gritzner aus Freudenthal, welcher die Restaurierung des Turmes in den 30er Jahren durchgeführte hatte, zeichnete nach seiner Vertreibung Baupläne des Turmes aus der Erinnerung auf. Das Zuordnen der Fotos zu den gritznerschen Plänen war sehr schwierig. Das Ergebnis ein viel zu hoher Turm. 4,50 m höher als das Original. Für die Bauvoranfrage mussten die Baupläne neu erarbeitet werden. Die Höhe des Turmes auf bekannte 32,5 m ab Oberkante Erdgeschoss reduziert werden. Unsere Bauvoranfrage wurde wenige Tage nach Einreichung beim zuständigen Bauamt in Gießen vom Regierungspräsidenten abgelehnt. Die Enttäuschung war groß, unser Ziel aber nicht aufgeben. Auf dem Allmerskopf bei Mengerskirchen im Westerwald wurde ein großes Munitionsdepot geräumt. Wir nahmen Verbindung zum zuständigen Bürgermeister auf. Eine jahrelange Planungsphase setzte ein. Viele Ämter unterstützten unsere Pläne. Der grüne Regierungspräsident lehnte dies, wie noch weitere 3 Voranfragen in seinen Regierungsbezirk ab. Was tun? Der Verein bestand jetzt 12 Jahre. Einige Vorstandsmitglieder wollten das Vorhaben aufgeben. Als ich 1988 das Amt des Vorsitzenden übernahm, waren die Aussichten den Turm doch noch zu bauen, sehr gering. Weitere Versuche einen passenden Berg für unsern Turm zu finden führte uns in den Westerwald nach Rodonrod, zur Fuchskaute und zum Steinringsberg bei Herborn. Welch ein Wunder! Die Bauvoranfrage für Steinringsberg wurde positiv entschieden. Vor dem Bauplatz wurde ein Steinbruch mit Schutt aufgefüllt. Wir erfuhren, dass die Auffüllung 10 m höher werden sollte als unser Bauplatzgelände. Jetzt waren alle Vorstandsmitglieder davon überzeugt, dass in Hessen keine Möglichkeit bestand unser Vorhaben zu verwirklichen. Der Verein besteht jetzt 16 Jahre. Wir müssen Versuchen in anderen Bundesländern wagen. Um Zeit zu sparen streckten wir unsere Fühler nach 3 Richtungen aus. Nach Rheinland-Pfalz, nach Westfalen und nach Thüringen. Wir begangen Baumaterial zu sammeln. Herr Bido aus dem Banater Bergland stammend, putze 350 000 Ziegelsteine eines abgerissenen Ziegeleiofens. 30 Lastzüge Bundsandsteinquader der Brückenpfeiler der in den 40er Jahren begonnenen Autobahnbrücke bei Oberstuhl bekam der Verein von der Autobahnmeisterei Frankfurt als Geschenk. In vierjähriger Arbeit wurden diese tonnenschweren Quader zu 1 000 qm Verblendsteinen für den Turm umgearbeitet. In den Wintermonaten saß Herr Bido dick vermummt in unserer Ziegelei und schnitzte Schindeln für die Aussichtsplattform des Turmes. Wir beide waren fest davon überzeugt, dass dieses Material irgendwann, irgendwo zu den neuen Altvaterturm verarbeitet werde. Das Jahr 1995 begann sehr hoffnungsvoll. Neustadt am Rennsteig und unser Wohnort Ehringshausen wurden Partner. Das 5 jährige Jubiläum der Vereinigung der 2 deutschen Staaten sollte gefeiert werden. Der Geschichtsverein Ehringshausen und die Stadtverwaltung von Neustadt bereiteten die Feierlichkeiten in gegenseitigen Gesprächen vor. Die Neustädter erfuhren durch meine Frau von unserer Planung des Altvaterturmes. Der Stellvertretende Bürgermeister Herr Leander Lutz aus Neustadt unterstützte uns Spontan. Er brachte uns mit dem Staatssekretär des Ministerpräsidenten Dr. Vogel zusammen. Mehrere Treffen folgten. Der Plessberg erwies sich als möglicher Standort für den Altvaterturm. Eine Begegnung mit den Thüringer Waldverein auf dem Plessberg brachte Klarheit. Auf dem Plessberg sollte der von der NVA gesprengte Plessbergturm wiederaufgebaut werden, nicht der Altvaterturm. Der Vorsitzende des thüringer Waldvereins Herr Süße, der heute unter uns weilt, schlug vor in Lehesten einen neuen Versuch zu starten. Das taten wir. Hugo Munzer war unser erster Gesprächspartner. Der damalige Bürgermeister von Lehesten, Herr Rimpl, setzte sich später stark für den Bau des Turmes ein. Die neue Bauvoranfrage musste von 40 verschiedenen Ämtern abgesegnet werden. Dass dies geschah ist das große Verdienst des Herrn Rimpl. Die Hier in Thüringen herrschende Aufbruchstimmung nach der Wende wirkte sich positiv aus. 1995 war unser erster Kontakt mit Lehesten. 1998 erwarben wir das Grundstück auf dem Wetzstein. 1999 erfolgte der ersten Spatenstich. 2000 die Grundsteinlegung. Am 1. November 2000 begannen die Bauarbeiten. Im November 2001 wurde die oberste Turmdecke betoniert. Als im Frühjahr 2002 die Baufirma weiterarbeiten sollte, meldete sie Insolvenz an. Der Verein übernahm die Bauarbeiten in eigener Regie. 6 ABM Kräfte 2002, 3 ABM Kräfte 2003 und 3 reguläre Arbeitskräfte 2004 führten die restlichen Arbeiten am Turm aus. Ein großer Dank diesen Fachkräften, die immer in wenigen Sommermonaten dieses Werk vollendet haben. Herr Eisold als Polier, und die beiden Sahlbrüder. Einen besondern Dank möchte ich allen uneigennützig helfenden Gruppen und Firmen aussprechen. Der Firma Mainel für die gestiftete Altvaterfahne an der Turmspitze mit den 16 Landesfahnen der Vertreibungsgebiete. Der Dachdeckerschule Lehesten für die Schiefereindeckung des Ausgangsbauwerkes, Eduard Kugler aus Ludwigsstadt für die Verkleidung der Turmspitze und seine vielen Arbeitsstunden die er am Turm verbrachte. Den Spenglern Lange und Spindler für die Dachdeckerarbeiten aus Kupferblech. Den Erdbaufirmen Förtsch und Eichhorn. Der Zimmerei Beyer und Zschach. Edmund Reinelt, Herrn Fröhlich und Herrn Lehmann für die Hilfe bei der Erstellung der Tür- und Fenstergewände, den Platten arbeiten im Turm, beim Betonieren der Brüstungen für die Freilichtbühne und Herrn Reinelt besonders für die musikalische Unterstützung bei den Altvaterfesten. Frau Schiffner für das Reliefbild vom Berggeist. Der Fa. Pertel für die Stahlbauarbeiten an der Treppe und am Schornstein. Unserem Helfer aus Steinbach am Wald für die Anstreicharbeiten. Der Schreinerei Neumeister und Schlegel für die herrlichen Schreinerarbeiten. Der Fa. Schwarz aus Lehesten für die Installation. Ein besonderer Dank der Fa. Seliger aus Hungen für den unermüdlichen Einsatz beim Transport der Baustoffe aus Hessen zum Turm und für die Ausschachtung der Baugrube. Fa. Rinker aus Ehringshausen für die vielfältigen Hilfen. Dem Schieferwerk in Lehesten, der Kranverleihfirma aus Saalfeld, den Gerüstbauern und der Fa. Elekto Ludwig aus Lehesten Der Walo für den zum Turm passend gestalteten Hochbehälter. Den Dank möchte ich noch steigern für alle Mitglieder und die vielen Spender, durch die diese Bauwerk ermöglicht wurde. Den Männern der ersten Stunde aus Lehesten und Ehringshausen für ihren Einsatz am Bau und später bei der Führung im Turm. Herrn Scheithauer für die Erstellung der Schaukästen und seine Bemühungen den Besteigern des Turmes alle zu sehenden Berge und Orte über Kimme und Korn näher zu bringen. Ein großer Dank der Gemeinde Lehesten und ihrem Bürgermeister für die dauernde tatkräftige Unterstützung Dank dem Ingenieurbüro Weese aus Leimen für die Vermessungsarbeiten. Dank Herrn Hauptmann, seinen Männern und Frauen für die Generalreinigung des Turmes vorige Woche. Dank den Frauen die heute im 1. Obergeschoss des Turmes Kaffee und Kuchen bereithalten. Dank Herrn Rimpl für die Organisation dieses Einweihungsfestes und Herrn Pfarrer Schrenk aus Weilersbach für die Gestaltung des Gottesdienstes und Messe morgen. Dank den Chören und den Blaskapellen für die festliche Gestaltung dieser Turmeinweihung. Dank den Bischöfen, dass sie den weiten Weg nicht scheuten die Einweihung des Turmes und der Elisabethkapelle vorzunehmen. Dieser Turm hat viele Aufgaben zu erfüllen. Er ist ein Aussichtsturm mit weitem Blick in deutsche Lande. Er ist ein Erinnerungsdenkmal für die Vertriebenen aus Mähren-Schlesien. Er ist ein durch viele Beziehungen aussagendes Mahnmal gegen jegliche Vertreibung von Menschen aus ihrer angestammter Heimat, von Vertriebenen gestaltet. Er soll erinnern an das Unrecht welches Millionen deutschen, polnischen und ungarischen Menschen widerfahren ist und es soll erinnern an die Blutopfer der Nachkriegszeit, die europäische Menschen zugefügt wurden. Der Turm zeigt uns den Überlebenswillen der Vertriebenen und den Willen endlich, wenn auch auf einem langen Weg zur Verständigung unter den Völkern Europas zu kommen. Der Turm war von Anfang an als Begegnungsstätte gedacht. Heute wird mit den Gästen aus Tschechien und Polen ein großer Schritt in dieser Richtung getan. Erkennen wir gegenseitig an die Grausamkeit, menschliche Erniedrigung, Freiheitsberaubung Kerker und Tod, der von allen Seiten ausging. Versuchen wir auf unserem klein gewordenen Erdball ein Zusammenleben in Frieden, Freiheit, gegenseitiger Achtung, Verstehen und Verzeihen. Der Freilichtbühne des Turmes wünschen wir, dass kulturelles Leben die Stasivergangenheit dieses Platzes bald vergessen lässt. Tanz, Gesang, Theater, Konzert und Gebet sollen hier in Zukunft die Menschen erfreuen. Wenn diese Wünsche in Zukunft alle in Erfüllung gehen, dann hat sich unsere Mühe um Erbauung und Gestaltung dieses Altvaterturmes gelohnt. Danke. Lied der HeimatHeimat, deine Berge, deine Täler, weit und grün, Über die am blauen Himmel lichte Wolken ruhig ziehn! Wo die Teß und wo die Oppa, wo die Biele rauschend fließt, Wo, ein treuer Heimatwächter, der Altvater trutzig grüßt, Da ist unsre Heimat, da ist unser Land; Heimat, teure Heimat, sei gegrüßt mit Herz und Hand! A.S. Gruß an den AltvaterFreundlich schaust du in die Ferne, Und von weitem grüßt du Als der Heimat treuer Hüter, Dem kein Sturmwind nimmt die Ruh. Fest und trutzig, ohne Wanken Stehst du da, ein starker Hort. Hoch zum Himmel ragt dein Scheitel, Und kein Fremder (Tscheche) jagt dich fort. Grüßt dich Gott, du alter Recke, Du, Altvater, sei gegrüßt! Seid gegrüßt, ihr Berg und Täler; Teure Heimat, sei gegrüßt! A.S. |